Die Scrabble-Saga

4. April


Wer hätte gedacht, dass in einer kleinen Stadt mit dem schönen Namen Poughkeepsie, 140 Kilometer von New York City entfernt, ein Mann etwas erfinden würde, das bis heute um die 100 Millionen Mal verkauft worden ist? Der Mann hieß Alfred Mosher Butts, wurde am 13. April 1899 in eben jenem Poughkeepsie geboren worden, und arbeitete ebenfalls dort als Architekt, bis er in der großen US-Wirtschaftskrise den Job verlor. Und was kann man schon machen in Poughkeepsie mit so viel Freizeit? Ohne Fernsehen, die Lokalzeitung hat man schnell durch, das Wetter ist zu schlecht, um Spazieren zu gehen. Also spielt man.

Aber Alfred Mosher Butts war der Meinung, dass Würfel- oder sonstige Glückspiele langweilig sind. Und Schach war ihm zu anstrengend. Und da er gern mit Worten spielte, dachte er sich eine Kombination von Glück und Können aus, ein Spiel, bei dem Buchstaben zu Wörtern zusammengesetzt werden müssen. Er nahm sich die New York Times und zählte mühsam die Buchstaben, um festzustellen, welche häufiger und welche seltener vorkamen. Dann erfand er ein Punktesystem und damit war es auch schon fast geschafft. Er gab seinem Kind auch einen Namen: „Lexiko“.

Butts schrieb die Spiele-Giganten Parker Brothers und Milton Bradley (in Deutschland besser bekannt als „MB“) an. Aber die sagten ab. Und auch das Patentamt fand zuviel Haare in der Suppe. Butts Antrag wurde 1933 abgelehnt.

Butts arbeitete wieder als Architekt, bastelte aber zu Hause weiter an seinem Lexiko, stellte im Laufe der Jahre ungefähr 200 Spiele her, die er teilweise verkaufte oder an Freunde verschenkte. Und er feilte weiter daran. Da Kreuzworträtsel damals einen regelrechten Boom erlebten, dachte er sich eine Kombination aus. Er nannte das Spiel jetzt „New Anagrams“, „Alph“ „Criss-Cross“ und „Criss-Crosswords“, er veränderte die Regeln, ersann ein Brett, auf dem gespielt wurde und reichte es 1938 noch einmal beim Patentamt ein. Es blieb ebenso erfolglos wie seine Werbebriefe an die großen Spielehersteller. Dann kam der Krieg und die Welt hatte andere Sorgen.

Und dann geschah ein kleines Wunder: 1948, also 17 Jahre nachdem Butts die ersten Versuche gestartet hatte, mischte sich sein Freund und Berufskollege James Brunot ein. Der liebte dieses Spiel und konnte und wollte nicht begreifen, warum es nicht erfolgreich war. Brunot einigte sich mit dem Erfinder, bot ihm eine Lizenz an und krempelte die Ärmel hoch. Er entrümpelte die ziemlich unübersichtlichen Regeln, machte alles noch ein wenig gefälliger. Und jetzt nickte das Patentamt plötzlich. Dann dachte er über einen neuen Namen nach. Er nannte es „Scabble“, das kaum zu übersetzen ist, aber in etwa die Bedeutung von „wie wahnsinnig herumkritzeln“ hat. Am 16. Dezember 1948 wurde das Warenzeichen eingetragen.

Aber immer noch ging das Geschäft nur schleppend. Wie schon zuvor Butts bastelte auch Brunot samt Ehefrau im Wohnzimmer ihres Eigenheims in Newton im US-Bundesstaat Connecticut täglich ein paar Spiele zusammen. Um die 2000 im Jahr kamen zusammen, aber das rechnete sich einfach nicht. 1952 war Brunot kurz davor aufzugeben. Dann ein neues Wunder: Jack Strauss, allmächtiger Boss des New Yorker Kaufhauses „Macy’s“ war im Urlaub auf den Scrabble-Geschmack gekommen. Wieder zurück in Big Apple rief er seine Spielzeugabteilung an: „Schickt mir doch mal ein paar von diesen Scabble-Dingern.“ „Haben wir nicht.“ „Was?“ Und so wurde „Macy’s“ der erste Großkunde und stieg mit Scabble mächtig in die Werbung ein.

Das war natürlich in Heimarbeit nicht mehr zu schaffen. Zunächst wurden die Spiele „rationiert“, was aber die Nachfrage weiter anheizte. Aber jetzt war es für Brunot natürlich viel einfacher, einen professionellen Hersteller zu finden. Selchow and Righter bekamen den Zuschlag. Sie hatten das Spiel zuvor mehrmals abgelehnt. Später sicherte sich dann doch noch „MB“ die Rechte an Scabble, 53 Jahre nachdem Milton Bradley nichts von dem Spiel wissen wollte – allerdings nur für die USA und Kanada.

James Brunot starb 1984, erlebte ebenso wie der Erfinder Alfred Butts den weltweiten Siegeszug des Spiels noch mit. Butts starb am 4. April 1993, fast 94 Jahre alt, was wieder einmal beweist, dass geistige Betätigung im Alter den Menschen fit hält.



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