Eastmans Geistesblitz

5. Mai


Menschen der ersten Stunde sind oft nicht sehr erfolgreich, wenn es um die Sicherung ihrer Errungenschaften geht. Häufig in der Geschichte wurden gute Ideen geklaut oder von cleveren Geschäftemachern aufgekauft und ausgebeutet. Nicht so war es im Falle von George Eastman, der am 5. Mai 1885 ein Patent auf den Rollfilm und am 4. September 1888 ein Patent für eine Rollfilm-Kamera erhielt und rund drei Jahre später in Trenton (New Jersey) die Eastman Kodak Co. gründete - heute noch ein Unternehmen, das der Idee des ehemaligen Bankangestellten endgültig zum Durchbruch verhilft: Fotografieren für Jedermann.

Eastman war 26 Jahre alt, als er im Jahre 1880 in Rochester damit begann, seinen großen Traum zu verwirklichen, der Menschheit jene Plackerei zu ersparen, die in den Anfangsjahren mit der Fotografie verbunden waren: Entwickeln, Kopieren, Vergrößern war nur unter großem Aufwand möglich, eine komplette Foto-Ausrüstung (u.a. Trockenständer, Plattenhalter, Schalen, Dunkelkammerzelt, Kamera, Stativ) war so umfangreich und schwer, dass man einen Lastesel gebraucht hätte, um alles zu transportieren.

Eastmans Vater starb jung, er musste sich als Botenjunge durchschlagen und fand dann mit 20 einen Posten bei einer Bank. Nachts experimentierte er in der Küche mit seinen Apparaten, manchmal schlief er neben dem Herd ein. Ein großer Durchbruch gelang Eastman, als er einen Transparent-Rollfilm aus durchsichtigem Zelluloid herausbrachte, wobei er die Erfindung John Wesley Hyatts nutzte, der an einem Wettbewerb eines Billard-Kugel-Hersteller teilgenommen hatte. Gesucht wurde ein Material, das das teure Elfenbein ersetzen konnte. Hyatt nahm Kollodium, das man zur Beschichtung von Fotoplatten benutzte, fügte Kampfer hinzu. Die Masse war formbar und nach dem Trocknen tatsächlich hart wie Elfenbein.

George Eastman stellte in seinem Laboratorium mit diesem Stoff Versuche an und es gelang schließlich, einen durchsichtigen Film herzustellen. Zu seiner großen Ernüchterung musste er aber schon bald feststellen, dass es dafür bereits ein Patent gab. Ein gewisser Reverend Hannibal Goodwin hatte es ein Jahr zuvor angemeldet. Elf Jahre dauerte der Streit, Goodwin starb darüber hin, schließlich aber kassierte seine Witwe eine Entschädigung in Millionenhöhe.

Für Eastmans Firma waren solche Summen inzwischen kein Problem, denn der Verkauf von Kameras mit Rollfilm lief wie geschmiert, vor allem, nachdem Eastman die erste echte Amateurkamera unter dem Namen „Kodak“ herausgebracht hatte. „Kodak“ - dieses Wort hatte sich Eastman höchstpersönlich ausgedacht. „K“ war sein Lieblingsbuchstabe und „Kodak“ gefiel ihm deswegen so gut, weil das Wort „kurz und bündig, schroff und hart“ ist, ein Wort, das einem „wie ein Schlitzverschluss ins Gesicht schlägt.“

Die „Kodak Nr. 1“, eine der berühmtesten Kameras der Welt, wurde darüber hinaus mit einem genialen Werbespruch unter die Leute gebracht „You push the button, we do the rest“ (Sie drücken den Knopf, wir machen alles andere).1895 baute Eastmans Firma 25 000 Kameras, die sich wie geschnitten Brot verkauften, im Jahre 1900 kam ein neuer Verkaufsknüller hinzu, die berühmte „Brownie“ eroberte den Markt, eine kleine handliche Kamera, besonders für Kinder gedacht, die nur einen Dollar kostete.

George Eastman, der Buchhalter, der eine Weltindustrie gründete, war zu diesem Zeitpunkt ein gemachter Mann. Aber er behielt nicht alles für sich. Er wurde ein großer Mäzen und Stifter. Allein dem „Massachusetts Institute of Technology“ stiftete er als „Mr. Smith“ 20 Millionen Dollar, kaufte Zahnkliniken, sorgte für seine Angestellten wie ein Vater. George Eastman, der sein Leben lang Junggeselle blieb, kannte außer der Fotografie nur ein Hobby: Kochen und essen. Im Alter litt er an Diabetes, was ihn veranlasste, sich am 14. März 1932 zu erschießen. In einem Abschiedsbrief schrieb er: „Mein Werk ist getan - warum warten?“

Übrigens: George Eastman wäre wahrscheinlich nie ein weltbekannter Mann und millionenschwerer Unternehmer geworden, wenn nicht der Chef seiner Bank, in der er als junger Mann arbeitete, einen guten Posten, der frei geworden war, nicht ihm, sondern einem nahen Verwandten gegeben hätte. Eastman war über diese offensichtliche Ungerechtigkeit so entsetzt, dass er kündigte und sich nur noch seiner großen Leidenschaft widmete. Was beweist: Jede Niederlage birgt auch eine Chance. Man muss sie nur sehen und ergreifen ...

Keine Kommentare: