Ein Attentäter namens Guido

13. April


Am 13. April 1570 wurde er geboren und gut 35 Jahre später wurde Guy Fawkes gehängt, ertränkt und zur Sicherheit gevierteilt. Den Tag, an dem er versuchte, das englische Parlament in die Luft zu sprengen, feiern die Engländer heute noch. Am 5. November eines jeden Jahres lassen sie Knallfrösche knallen und zünden Freudenfeuern an, weil Guy Fawkes 1605 etwas vor hatte, wovon Terroristen heute (hoffentlich nur) träumen. Warum sie das tun, weiß eigentlich kein Mensch.

An jenem Novembertag stand also dieser Guy Fawkes in den Kellern des Parlaments, vor sich ungefähr 36 Fässer Schießpulver und in der Hand eine (noch nicht brennende) Lunte, als er, wie man heute sagen würde, von „Sicherheitskräften überwältigt“ wurde. Nun wurde zwar festgestellt, dass das Schießpulver bereits seit langem die Haltbarkeitsgrenze überschritten hatte und möglicherweise überhaupt nicht explodiert wäre, aber erstens konnte man das natürlich nicht wissen und zweitens war auch schon damals der Versuch strafbar. Und wie. Guy Fawkes wurde nicht nur verhört und gefoltert, er wurde natürlich auch hingerichtet und das gleich ein paar Mal. Er wurde am 31. Januar 1606 gestreckt, gehängt und geviertelt. Und nicht nur er. Die meisten seiner Mitverschwörer (sie waren insgesamt 14 Männer) erlitten dasselbe Schicksal, bis auf die, die bereits bei der Verhaftung getötet wurden oder dem, der einer Krankheit im Gefängnis erlag.

Eigentlich war Guy Fawkes überhaupt nicht der Kopf der hitzköpfigen Rebellen gegen Krone, Parlament und Vaterland, er war eher der Fachmann, ein in Schlachten in Holland und Spanien erprobter Söldner, der sich mit dem Kriegshandwerk gut auskannte. Aus Spanien stammt übrigens sein Kampfnahme „Guido“, mit dem Fawkes manchmal sogar unterschrieb.
Der wahre Drahtzieher des Komplotts hieß Robert Gatesby. Der Mann war voller Hass und Rachegefühle, hatte er doch Frau und Eltern bei der damals im protestantisch regierten England üblichen und staatlich sanktionierten mörderischen Jagd auf Katholiken verloren.

Auch nachdem Königin Elizabeth I., die ja bekanntermaßen nicht gerade eine Freundin der Katholiken war (siehe auch und vor allem den Fall Maria Stuart) 1603 umständehalber abtreten musste (sie starb) blieb das so. Ihr Nachfolger James I., der zunächst toleranter mit dem Thema umzugehen schien, entpuppte sich nach seiner Thronbesteigung als wahrer Katholikenfresser.
Und so heckte Robert Gatesby den Plan aus und fand auch schnell Komplizen, da er bei weitem nicht der einzige war, der ein solche Schicksale in der Familie erleiden musste. Dabei muss ihm allerdings ein Fehler unterlaufen sein, denn unter den Möchtegern-Attentätern befand sich einer, der es einfach nicht übers Herz brachte, neben dem König und dem Prince of Wales sowie den Mitgliedern des Parlaments auch seinen Schwager zu opfern.

Und so erhielt ein gewisser Lord Monteagle eines Tages einen anonymen Brief, in dem ihm dringend geraten wurde, die Sitzung am 5. November zu schwänzen. Seiner Lordschaft kam das natürlich reichlich verdächtig vor und er alarmierte den König. Der Rest war Routine. Fawkes wurde, wie wir schon wissen, auf frischer Tat geschnappt, die anderen nach und nach. Robert Gatesby wurde entdeckt, umzingelt und schließlich noch vor Ort erschossen.

Natürlich nutzten König und Vaterland die gute Gelegenheit, sich noch einiger anderer unliebsamer vornehmlich katholischer Zeitgenossen zu entledigen, auch, wenn sie überhaupt nichts mit dem „Gunpowder Plot“, wie der Anschlagsversuch griffig genannt wurde, zu tun hatten. Dies führte dann später zu dem Verdacht, dass der komplette Anschlag inszeniert wurde, um eine Handhabe gegen die Feinde des Königs zu haben, so wie es beispielsweise die Nazis mit dem Brand des Reichstags handhabten. Aber Beweise gibt es dafür nicht, es war wohl ein echter Anschlagsversuch.

Und so überrascht es nicht wirklich, dass in den darauffolgenden bisher vier Jahrhunderten traditionell an dem Tag, an dem der Fürst „The opening of the Parlament“ vornimmt, der Keller nach Sprengstoff durchsucht wird. Heute wäre dies ohnehin eine Selbstverständlichkeit – auch ohne Guy Fawkes.

Das ist die Geschichte, warum die Engländer am 5. November nicht nur die Korken knallen lassen. Nach offizieller Lesart tun sie dies aus Freude darüber, dass der Coup misslang (immerhin werden bei dem jährlichen Spektakel Bildnisse und Puppen von Guy Fawkes verbrannt), ausgeschlossen ist aber auch nicht, dass zumindest einige feiern, weil es einer immerhin versucht hat, der nicht überall beliebten Staatsmacht die Zähne zu zeigen.

Aber wer kennt sich schon aus mit den Engländern?

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