Ein Mann voller Rätsel: Howard Hughes

5. April


Einige seiner Zeitgenossen hielten ihn für extravagant, die meisten für total übergeschnappt - wenn sie ihn überhaupt kannten, den geheimnisvollen amerikanischen Milliardär Howard Hughes. Denn die letzten 18 Jahre seines Lebens verbrachte der schon zu Lebzeiten zur Legende gewordene Wirtschaftskapitän, Hollywood-Tycoon und Luftfahrtpionier vom Rest der Welt abgeschottet in abgedunkelten Räumen, ernährte sich, so heißt es, fast ausschließlich von Softeis, schnitt sich die Fußnägel nicht mehr und sammelte seinen Urin in sorgfältig desinfizierten Milchflaschen.
Bewacht wurde er von sieben Mormonen, die jeden Gegenstand, den er angefasst hatte, anschließend sofort mit Handtüchern abdecken mussten.

1966 zog er heimlich durch eine zuvor evakuierte Hotelhalle in die teuerste Etage des „Desert Inn“ in Las Vegas, blockierte die Luxussuiten und verärgerte durch seine extreme Öffentlichkeitsphobie die anderen Gäste. Die Hotelleitung sah sich gezwungen, ihren zwar gut zahlenden aber unbequemen Gast aufzufordern, woanders zu nächtigen. Hughes Antwort: Er ließ anfragen, was das Hotel kosten würde, man nannte ihm den total überhöhten Preis von 14 Millionen Dollar, der Milliardär zog sein Scheckbuch, kaufte die Edel-Bude und feuerte das Management.

Reich war Howard Hughes schon als er am Heiligenabend 1905 im texanischen Houston zur Welt kam. Seine Eltern waren der millionenschwere Ölbohrer und Besitzer von „Hughes Tools Company“ Howard Robert „Bo“ Hughes und seine überkandidelte Ehefrau, die Millionenerbin Allene Gano. Howard jun. konnte es sich deshalb leisten ein lausiger Schüler zu sein. Er entwickelte allerdings schon früh viel Interesse an Technik. Er bekam eine Werkstatt, durfte sein eigenes Motorrad zusammenschrauben und von einer Karriere als Golfer oder Pilot träumen.

Aber da war ja auch noch Onkel Rupert, der Bruder seines Vaters, der die boomende Firma und den 18jährigen, nachdem beide Eltern gestorben waren, unter seine Fittiche nahm. Rupert Hughes schrieb, wie das Leben so spielt, als Drehbuchautor für Samuel Goldwyns Filmstudios und so geriet der junge Heißsporn fast zwangsläufig ins Filmgeschäft, zumal ihn die Herstellung von Bohrköpfen für die Ölförderung zu langweilen begann. Der Laden brummte, auch ohne dass er sich besonders darum kümmern musste und brachte eine Menge Geld ein, Geld, das er mit vollen Händen in Hollywood wieder ausgab.

Er hatte inzwischen geheiratet, ließ sich aber schon bald wieder scheiden, die Verlockungen der Szene, namentlich die von Katherine Hepburne, waren einfach zu groß. 1930 drehte er „Hell’s Angels“, den seinerzeit teuersten Film aller Zeiten, wobei er weder sich noch das Personal schonte. Da es sich um einen Film über die Luftkämpfe des 1. Weltkriegs handelte, stürzten mindestens drei Piloten tödlich ab. Hughes selbst wurde schwer verletzt, als eine seiner Maschinen abschmierte.

Hollywood blieb bis in die 60er Jahre einer von vielen Schauplätzen, auf denen sich Hughes tummelte. 1956 beispielsweise produzierte er den Abenteuerfilm „Die Eroberer“, der erst sehr viel später in die Schlagzeilen geriet, weil auffällig viele Darsteller, unter ihnen John Wayne und Susan Hayward, an Krebs starben. Der Grund: Die Dreharbeiten fanden in einem von Atombombenversuchen total verstrahlten Gelände in Nevada statt.

Howard Hughes hatte inzwischen ein weiterer Virus erfasst: Die Fliegerei. Er machte seinen Pilotenschein, arbeitete, typisch Hughes, ein paar Monate unerkannt als Gepäckträger bei American Airlines, kaufte sich dann aber doch ein Luftfahrzeug und sauste damit durch die Gegend, nahm an Wettflügen teil, stellte sogar einige Rekorde auf, entwarf schließlich sein eigenes Flugzeug. Dieses, die „Hughes 1“, hatte einige interessante Neuheiten zu bieten wie ein einklappbares Fahrwerk und war außerdem so schnell wie kein anderes seiner Zeit. 1939 kaufte er sich die kränkelnde Luftfahrtgesellschaft TWA und brachte sie wieder auf die Beine.

Ganz nebenbei sorgte er dafür, dass einer seiner Hollywood-Schützlinge, die junge und noch völlig unbekannte Jane Russell, das Interesse der Medien erregte – nicht unbedingt wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten, sondern wegen ihrer ausgeprägten sekundären Geschlechtsmerkmale, die sie, sich lüstern im Heu räkelnd, ansatzweise zeigte und so im puritanisch prüden Amerika für handfeste Skandale sorgte. Der umtriebige Howard kümmerte sich auch hier um alles, bis in die Einzelheiten. So empfahl er dringend, dass Jane Russell niemals ohne Büstenhalter herumlaufen sollte, da dies, was er sehr genau wisse, „ein für sie sehr nötiges Kleidungsstück“ sei. Und da er gerade dabei war, erfand er gleich den Halbbüstenhalter, der später erfolgreich in Serie ging.

Doch mit Film und Flug hatte Hughes noch lange nicht genug. Er mischte auch kräftig im Geheimdienstgeschäft mit. Welche Rollen er dabei genau spielte, ist bis heute noch nicht endgültig geklärt, da es sich um ein anscheinend unentwirrbares Knäuel aus Hughes Industrie-Imperium, der organisierten Kriminalität und dem US-Geheimdienst CIA handelt. Verwickelt war Hughes in die geplante Ermordung Fidel Castros, aber wahrscheinlich auch in die John F. Kennedys, was möglicherweise sogar direkt zusammenhängt. Jedenfalls laufen auffällig viele Fäden bei Howard Hughes zusammen.

Hughes galt immer schon als begeisterter Geldgeber und Unterstützer republikanischer US-Präsidenten. Er brachte Richard Nixon an die Macht und übernahm 1959 die Bohrrechte an einer Kuba vorgelagerten Insel, die dem späteren CIA-Direktor und US-Präsidenten George Bush sen. gehörten und der CIA als Basis für die Beobachtung der Karibik-Insel diente. Die engen Kontakte zwischen Nixon und Hughes wurden übrigens seinerzeit von einem prominenten Bundesanwalt untersucht. Sein Name: Robert Kennedy. Er wurde bekanntlich später ermordet.

So gesehen kann man kaum an einen Zufall glauben, dass es Hughes war, der in den 30er Jahren das Texas Theatre in Dallas baute, in dem Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald 1963 bis zu seiner eigenen Ermordung festgehalten wurde. Das Theater galt als geheime CIA-Zentrale. Dass Hughes auch in die Watergate-Affäre 1972 verwickelt war, überrascht nun nicht mehr, ging es doch beim Einbruch in das Wahlkampfbüro der Demokraten durch die Nixon-Mitarbeiter (übrigens alles alte Bekannte aus der Zeit des Mordversuchs an Fidel Castro) darum, Unterlagen zu vernichten, die die Verbindung von Hughes und Nixon offengelegt hätten.

Im selben Jahr 1972 bat die CIA, die offenbar trotz aller Abgeschiedenheit immer noch einen Draht zu Hughes hatte, den Milliardär darum, bei der Hebung eines vor Hawaii in 5 000 Meter Tiefe liegenden sowjetischen U-Boots behilflich zu sein. Hughes verschleierte das ganze als wissenschaftliche Expedition zur Erforschung von Manganknollen in der Tiefsee. Das ganze Projekt flog auf, als sowjetische Agenten in Hughes Büros einbrachen und Moskau „Operation Jennifer“ ans Licht brachte.

Wie auch immer.

Am 5. April 1976 starb Howard Hughes an Nierenversagen. Das war ausgerechnet über Texas und ausgerechnet in einem Flugzeug. Ob das die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist, kann man ruhigen Gewissens bezweifeln. Sicher ist nichts, wenn es um Howard Hughes geht ...



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