Eine starke Frau

21. Mai

Die Engländerin an sich gilt als energisch, mutig und unbeugsam. Man denke nur an Margaret Thatcher. Die Eiserne Lady des Biedermeier heißt Elizabeth Fry. Am 21. Mai 1780 wurde sie geboren und sie schaffte es, die Welt zu verändern. Jedenfalls ein wenig. Vor allem in den Gefängnissen herrschten unfassbare Zustände, was die englische Öffentlichkeit allenfalls am Rande interessierte - bis dann Elizabeth Fry kam eine Rede vor dem House of Commons halten durfte – als erste Frau (neben der Queen versteht sich).

Soziales Engagement lag Elizabeth Fry im Blut, denn auch ihre Mutter Catherine, als Mitglied der vermögenden Barclay-Banker-Familie und Ehefrau eines reichen Fabrikanten nicht darauf angewiesen, für ihr eigenes Brot zu sorgen, kümmerte sich um Arme und Kranke, schon, weil es ihr Glauben vorschrieb, denn die Frys waren Quäker.

Außerdem war es sehr schick für die jungen Leute der englischen High Society, für die Ideale der Französischen Revolution zu schwärmen, was die junge Elizabeth, die von ihren Freunden Betsy genannt wurde, unter anderem dadurch dokumentierte, dass sie mit einer Trikolore am Hut durch die heimatliche Grafschaft Norwich galoppierte.

Auf die Idee, sich um die englischen Gefängnissen zu kümmern, brachte Elizabeth ein Freund der Familie, der über die Verhältnisse im Frauengefängnis von Newgate schockiert war. Elizabeth wollte es genau wissen. Es war der Beginn eines lebenslangen leidenschaftlichen Engagements. Ihr Heimatland dankte es ihr, indem es ihr Porträt auf die Rückseite der Fünf-Pfund-Note druckt.

In der Tat ist es kaum zu glauben, was die junge Elizabeth in Newgate sah: Mehr als 300 Frauen, einige mit Kindern, hockten auf dem nackten Boden von zwei riesigen Zellen, mussten dort ohne jegliche Intimsphäre alles verrichten, was zum Leben gehört. Einige waren verurteilt, andere warteten noch auf die Verhandlung. Elizabeth handelte sofort. Und dank ihres und des Einflusses ihrer Familie setzte sie durch, dass die Frauen ordentliche Kleidung bekamen, dass eine Schule eingerichtet wurde und eine kleine Kapelle eröffnet wurde.

Natürlich traf es sich gut, dass ihr Schwager ein gewisser Thomas Fowell Buxton war, ein engagierter Kämpfer gegen die Sklaverei und Abgeordneter im Parlament. Aber es gab dennoch große Widerstände zu überwinden. Die Mehrheit der Angeordneten fand es eigentlich ganz in Ordnung, wie es im Knast zuging. Und als Elizabeth dann auch noch anfing, sich für die Abschaffung der Todesstrafe einzusetzen, schlug ihr ein eisiger Wind entgegen. Für Sozialromantik dieser Art hatte nicht viel Verständnis.
Und die Presse machte auch mobil. Elizabeth Fry wurde beschimpft, sie würde ihre Familie und ihr Heim vernachlässigen, nur um sich wichtig zu machen und sie würde sich in Dinge einmischen, die Frauen von Natur aus nichts angingen.

Und dann ging Elizabeths Ehemann Joseph auch noch pleite. Es wurden Gerüchte verbreitet, Joseph Fry hätte sich an Spendengeldern vergriffen, was zwar aus der Luft gegriffen war, Elizabeths Reputation aber schwer ankratzte. Aber sie ließ sich nicht beeindrucken, im Gegenteil. 1840 gründete sie eine Schule für Krankenschwestern, von denen einige an der Seite der später weltberühmten Florence Nightingale am Krimkrieg teilnahmen.

Als Elizabeth Fry am 12. Oktober 1845 starb, versammelten sich mehr als eintausend Menschen, um ihre Trauer auszudrücken, obwohl dies bei Quäkern eigentlich nicht üblich ist. Ihre letzten Worte waren: „Ich bin gerettet“.

Keine Kommentare: