Feuer am Stiel

7. April



Bei diesem Namen hätte man eigentlich annehmen müssen, der Mann hätte etwas mit dem Brennen von Whisky zu tun. Aber nein - John Walker erfand etwas ganz anderes. Es war am 7. April 1827 im beschaulichen Stockton-on-Tees in der englischen Grafschaft Durham, als der Apotheker John Walker (geboren am 19. Mai 1781) seiner Lieblingsbeschäftigung nachging: Er experimentierte mit hausgemachtem Sprengstoff. Mit einem Holzstäbchen rührte er in einer Mischung aus Schwefelantimon, Kaliumchlorat, Stärke und Gummi arabicum.

Als er sich nach einiger Zeit das Holzstück ansah, entdeckte er einen kleinen Tropfen, der an der Spitze festgetrocknet war. Ärgerlich versuchte Walker das Tröpfchen zu entfernen und rieb das Holz auf dem Fußboden des Labors. Zu seiner grenzenlosen Überraschung zischte es plötzlich, es stank nach Schwefel und das Holz entzündete sich. John Walker hatte das Streichholz erfunden.

Für den Apotheker war seine Erfindung eher ein privater Spaß, den er Freunden gern vorführte, obwohl sich der Ruhm dieses „Feuers am Stiel“ rasch verbreitete, so dass Walker gezwungen war, die Insassen des örtlichen Armenhauses zu bitten, Holzspäne für ihn so zuzuschnitzen, dass er sie nur noch in seine leicht entzündliche chemische Mischung tauchen musste. Das übernahm er dann höchstpersönlich.

Dann ließ Walker Pappschachteln herstellen, auf denen stand: „Walker’s Friction Matches“. Daran, aus seiner Erfindung Geld zu machen, dachte er nicht. Er meldete noch nicht einmal ein Patent an. Wen wundert es, dass ihm jemand die Idee einfach klaute. Während einer Vorführung der neuen Zündhölzer in London erwies sich ein gewisser Samuel Jones als clever genug und ließ sich Walkers geistiges Eigentum unter der Nummer 6335 patentieren, nannte sie „Lucifer Matches“ und brachte sie in den Handel.

Es wurde ein riesiger Erfolg obwohl die Dinger ganz schrecklich nach Schwefel stanken und mit einer Aufschrift auf der Schachtel dringend davor gewarnt wurde, den Qualm einzuatmen. Die Folgen waren verhältnismäßig harmlos, zumindest gemessen an den Phosphorhölzchen, die der Franzose Charles Sauria produzierte. Diese stanken zwar nicht mehr, waren aber höchst giftig, wie man leider erst feststellte, nachdem es einige Todesfälle gegeben hatte. Erst 1911 brachte die amerikanische Firma Diamond Match Company die ersten ungiftigen Streichhölzer auf den Markt.

In Deutschland war es der Württemberger Jacob Friedrich Kammerer, der mit Hilfe von weißem Phosphor 1833 das erste Zündholz herstellte. Kammerer war ein vielseitiger Mann. Mit Sieben, Hüten, Patenttüten, Gummistiefeln und Gichtpapier hatte er bereits seine Zeitgenossen beglückt, aber auch revolutionäre Thesen verbreitet, was ihm Haft in der Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg einbrachte. Zu allem Überfluss wurden seine Zündhölzer von der Bundesversammlung wegen ihrer latenten Gefährlichkeit verboten. Kammerer wurde seine Erfindung auch nicht im Ausland los. Er starb 1857 in einem Irrenhaus.

In der kleinen Weltgeschichte des Streichholzes darf der Name des sächsischen Tüftlers Rudolf Christian Boettiger nicht fehlen. Er entwickelte 1848 ein Sicherheitsstreichholz, wie es weitgehend heute noch verwendet wird. Die schwedische Zündholzindustrie erwarb sein Patent und hatte lange Zeit zumindest in Deutschland eine marktbeherrschende Position.

Ebenso interessant wie die Geschichte des Streichholzes ist die des Zündholzheftchens. 1896 gab es da den entscheidenden Durchbruch, als eine US-Brauerei 50 000 Stück bestellte, um damit zu werben. Eine gute Idee, die inzwischen tausendfach übernommen wurde und sogar im Zweiten Weltkrieg als Propagandamittel Furore machte. Die amerikanische Luftwaffe warf Millionen von Heftchen hinter den feindlichen Linien ab.

Die kurioseste Geschichte im Zusammenhang mit Zündhölzern kommt aber aus Frankreich. Das Standardwerk „Erfindungen der Menschheit“ berichtet von einem Grabstein auf dem Friedhof von Montmartre, auf dem im 19. Jahrhundert ein Grabstein gestanden haben soll. Er hatte folgende Inschrift: „Hier ruht Jerome Dubert, der Erfinder der nicht explodierbaren Zündhölzer. Er starb am 12, Mai 1878 infolge einer Explosion.“



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