Fürstliche Halbwelt

19. April


Als am 19. April 1956 Rainer III. von Monaco in der St.Charles-Kathedrale in Monte Carlo der Hollywood-Schönheit Grace Kelly vor 1200 Hochzeitsgästen aus 25 Ländern das Ja-Wort gab, da war das Interesse der Öffentlichkeit so groß, dass gleich ein neuer, inzwischen allerdings ziemlich in Verruf geratener Berufsstand geboren wurde - jener der Paparazzi. Der Überlieferung nach verkleideten sie sich als Kellner, schliefen auf Bäumen, versteckten sich im Schrank und versuchten sogar als Nonne an den Fürsten und seine Leinwand-Königin heranzukommen.

Das Einschleichen als geistliches Personal hat allerdings Tradition in Monaco, denn schon im Jahr 1297 verschaffte sich eine Handvoll Räuber als Bettelmönche verkleidet Eintritt in die örtliche Festung und übernahm das Kommando. Ihr Anführer stammte aus dem Genueser Adel und hieß Grimaldi, ebenso wie nicht ganz zufällig Rainer III.. Man ginge sicher zu weit, wenn man dem seit 1949 regierenden und am 6. April 2005 verstorbenen Fürsten diese kriminelle Vergangenheit anlasten würde, die ist nach mehr als 700 Jahren sicher verjährt, aber dennoch hat auch er es nie geschafft, den Hauch von Halbwelt loszuwerden, der sein winziges Land stets umweht. Es wird interessant sein zu sehen, ob dies seinem Sohn Albert gelingt.

Selbst die Hochzeit mit Grace Kelly soll, zumindest am Anfang, als ein großer PR-Coup für Monaco und Monte Carlo geplant worden sein, basierend auf einer Idee des griechischen Großreeders Aristoteles Onassis (der allerdings eine Verbindung mit Marilyn Monroe favorisiert hatte). Sie entwickelte sich dann wohl doch zu einer Liebesgeschichte.

Darüber, wie und wo sich Rainer und Grace kennenlernten, gibt es zahlreiche Legenden und Halbwahrheiten. Die am meisten verbreitete Geschichte ist, dass Rainer sich bei den Dreharbeiten des Thrillers „Über den Dächern von Nizza“ (mit Cary Grant) Hals über Kopf in die frischgebackene Oscar-Preisträgerin verliebte, eine andere behauptet, der Fotograf Pierre Galante hätte die beiden miteinander bekannt gemacht, als Grace Kelly an der Seite von Gruselaltmeister Alfred Hitchcock 1955 die Filmfestspiele in Cannes besuchte, um den Film „Bei Anruf Mord“ vorzustellen.

Ihre Hochzeit erreichte jedenfalls das erhoffte Ziel: Endlich waren die Scheinwerfer und Blitzlichter der Welt nicht auf Nizza oder Cannes, sondern auf Monte Carlo gerichtet. Bis heute allerdings ist das monegassische Herrscherhaus die Geister, die sie damals rief, nicht mehr losgeworden. Unablässig erschienen in den bunten Blättern dieser Welt häufig erfundene Geschichten über den armen, alten, kranken Rainer, die Liebschaften, Schwangerschaften, Hochzeiten und Scheidungen der Prinzessinnen Caroline (Jahrgang 1957) und Stephanie (1965), die allerdings die unerträgliche Leichtigkeit des Seins gelegentlich wirklich ein wenig übertrieben haben und über den braven Albert, dessen größte Leidenschaft das Bobfahren ist.

Zu Lebzeiten der Fürstin Gracia Patricia stand sie natürlich im Mittelpunkt des Interesses, die schöne, kühle Blonde mit der angeborenen Vornehmheit und ihr Tod am 14. September 1982, als sie in ihrem Rover 3500 auf der Kleinen Corniche aus der Kurve getragen wurde und gegen eine Mauer prallte, trieb die Auflagen zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften zu danach nie mehr erreichten Rekordhöhen.

Schon damals tauchte der Verdacht auf, dass irgendwie die Mafia bei diesen Unfall die schmutzigen Hände im Spiel hatte, ein Verdacht, der angesichts der engen Verbindung, die zwischen der sogenannten großen mit der sogenannten Unterwelt in Monte Carlo immer schon bestanden, auf der Hand liegt. Die Existenz der weltberühmten Spielbank, die Steueroase Monaco und die Tatsache, dass auf jeweils 330 Einwohner des Zwergstaates eine Bank kommt, sind einfach zu verlockend in Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, sein unrechtmäßig oder rechtmäßig erworbenes aber möglichst nicht zu versteuerndes Einkommen zu waschen. So sollen von den rund 500 000 Unternehmen, die in Russland von der Mafia kontrolliert werden, Milliardensumme vor allem nach Monaco transferiert werden, unter tatkräftiger Mithilfe einiger, natürlich nicht aller, in Monte Carlo ansässiger Banken.

Die Fürstliche Familie und die Aktivitäten einiger der anderen rund 33 000 Einwohner Monacos sind eben immer wieder gut für spektakuläre Schlagzeilen. Daran hat sich auch unter Albert nicht viel geändert.

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