James Bond der Berge

12. April


"Sein wettergegerbstes Gesicht, das je nach Bedarf finstere Entschlossenheit oder naive Lebensfreude ausstrahlte, stand für den Typ des rauen Berghelden, der jeden Gipfel stürmt und die waghalsigste Herausforderung annimmt.“ So beschreibt das „Lexikon der deutschen Film- und Fernsehstars“ den Südtiroler Luis Trenker, der in diesen Tagen vor 20 Jahren, genau am 12. April 1990 starb – natürlich in seiner Heimat in Bozen.

Der Beginn seiner Karriere ist legendär. Trenker hatte schon zu Schülerzeiten als Bergführer gearbeitet, brachte es im Ersten Weltkrieg zum Oberleutnant und wollte eigentlich seinem Beruf als Architekt nachkommen, als ihn der Pionier des Bergfilms, Arnold Fanck, für seinen Streifen „Der Berg des Schicksals“ (1924) als Führer engagierte und Trenker dann die Hauptrolle übertrug, nachdem er feststellte, dass der ursprünglich vorgesehene Schauspieler nicht klettern konnte.

97 Jahre wurde er alt, der Mann, der auch „James Bond der Berge“ genannt wurde, weil er alles bezwang, was sich ihm in den Weg stellte, vor allem Berge und Schurken. Nicht gewachsen, jedenfalls nicht ganz, war er politischen Fieslingen wie Nazis oder italienischen Faschisten, denn Trenkers Rolle im Nationalsozialismus ist zumindest undurchsichtig. Vom Ansatz her passte Trenker einfach zu gut zur völkischen Ideologie, als dass ihn die Nazis in Ruhe lassen würden, denn auch seine Werte waren Patriotismus, Heldentum, Naturliebe und Todesverachtung.

Über Adolf Hitlers Verhältnis zum knorrigen Naturburschen schrieb dessen Propaganda-Chef Joseph Goebbels, der „Führer“ sei nach dem Ansehen des Andreas-Hofer-Dramas „Der Rebell“ „Feuer und Fett“ gewesen. Das sei eine Spitzenleistung, schrieb Goebbels voller Begeisterung, „ein nationalistischer Aufbruch. Ganz große Massenszenen.“ Allerdings gab es auch andere, die Trenkers Film für ein Meisterwerk hielten, so der große Hollywood-Regisseur John Ford.

Später kühlte das Verhältnis zu den Nazis deutlich ab, auch, weil Trenker kein Blatt vor den Mund nahm und unumwunden seine Meinung sagte, beispielsweise es sei eine Schande, dass „die Deutschen die Literatur verbrannten und dass Deutschland die Juden rausschmeißt.“

Den Film „Condottieri“, den Trenker 1937 drehte, empfanden die Nazis als Verrat am Führertum, zumal in dem Streifen eigens 60 Mann der SS-Leibstandarte Adolf Hitler abkommandiert worden waren und nachdem er 1940 in „Feuerteufel“ sogar verdeckte Kritik am Regime äußerte, war der Ofen aus. Trenker durfte in Deutschland keine Filme mehr drehen. Um überhaupt weitermachen zu können, wandte sich Trenker folgerichtig an den anderen Faschisten jener Zeit, den „Duce“ der Italiener, Benito Mussolini. Irritiert war man aber in Berlin und Rom besonders von Trenkers Haltung in der Südtirol-Frage, in der er sich mal für und mal gegen den Anschluss an das Deutsche Reich aussprach.

Seltsam ist, dass Trenker 1942, obwohl er eigentlich in Ungnade gefallen war, die Hauptrolle in dem Propagandafilm „Germanin“ spielte – unter der Regie von Goebbels Schwager.

In „Wikipedia“ wird der Autor Florian Leimgruber zitiert, der nach Studium der Unterlagen über Trenker im „Berlin Document Center“, wo Millionen von Akten über den Nationlsozialismus gesammelt sind, schrieb, in Trenker „begegnet uns weder ein kraxelnder Freiheitsheld noch ein kriecherisch-unterwürfiger Handlanger oder Kollaborateur“, sondern Trenker sei ein normaler Durchschnittsmensch gewesen, der „auch in schwierigsten Situationen in erster Linie darauf bedacht ist, sich und seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, sich seine ökonomischen Möglichkeiten und die berufliche Entfaltung nicht vermiesen zu lassen.“

Nach dem Krieg fasste Trenker nur schwer wieder Fuß. Er drehte zunächst Dokumentarfilme über seine geliebte Bergwelt und versuchte, Geldgeber für Filmprojekte zu finden. Er drehte von 1955 bis 1957 noch drei Filme, die aber an seine besten Arbeiten wie „Der Berg ruft“ (zu dem er, wie zu fast allen seiner Filme, auch das Buch schrieb) bei weitem nicht heranreichten.1959 kehrte er ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zurück, nachdem der Bayerische Rundfunk ihm mit „Luis Trenker erzählt“ eine Plattform bot, in der er sein überragendes Talent als mitreißender Erzähler ausleben durfte. In den 70er Jahren wurde Trenker, und da war der am 4. Oktober 1892 geborene Bergfex ja auch schon hoch in den 70ern, zum Fernsehstar in der ORF-Reihe „Berge und Geschichten“.

Trenkers filmhistorischer Stellenwert wurde bisher nur selten gewürdigt, obwohl er unbestreitbar ein verdienstvoller Pionier der Filmgeschichte war.

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