Käthe Kollwitz - die Frau, die den Krieg hasste

22. April


Sie hasste den Krieg und das Schicksal tat alles, sie immer wieder daran zu erinnern. Am 23. Oktober 1914 starb ihr Sohn Peter auf einem Schlachtfeld bei Dixmuiden in Flandern, kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Und Weltkrieg II nahm ihr den Enkel. Er fiel am 22. September 1942 in Russland. Und ihr selbst war es nicht vergönnte, das so lang ersehnte Ende des von den Nazis angezettelten barbarischen Gemetzels noch zu erleben.

Käthe Kollwitz starb wenige Tage vor Kriegsende am 22. April 1945.

Die geniale Künstlerin, die so endrucksvoll das Leid dieser Welt darstellen konnte und so flammend dagegen protestierte, wurde 77 Jahre alt. Der Museumsdirektor und Kunstexperte Fritz Schmalenbach sagte einmal: „Diese Frau hat etwas sehr Einfaches gefühlt und etwas sehr Einfaches gewollt. Die Not der Armen, und über die Not der Armen hinaus überhaupt menschliche Not, hat ihr ans Herz gegriffen, und sie hat es bei dem Mitleiden nicht bewenden lassen, sondern helfen wollen; helfen mit der Waffe, die ihr verliehen war, dem Zeichenstift.“

Die Mächtigen ihrer Zeit aber waren alles andere als ergriffen von der urwüchsigen Kraft ihrer Werke, von der kaum auslotbaren Tiefe der Emotionen, die sie auslösen, sondern sie fühlten sich provoziert und attackiert. So empörte sich die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria im Jahre 1906 über ein Plakat von Käthe Kollwitz für die Deutsche Heimwerkerausstellung. Majestät bemängelte, die Frau da auf dem Plakat sehe ihr „zu abgearbeitet“ aus. Sie ordnete an, dass es von allen Litfasssäulen verschwinden sollte.

Dass auch die Nazis nicht ihre Freunde wurden, versteht sich von selbst. Zwar waren ihre Werke nicht, wie die vieler anderer großer Künstler, Teil der Ausstellung „entarteter Kunst“, aber man wollte sie dennoch nicht. „So sieht Gott sei Dank keine deutsche Mutter aus, wie Käthe Kollwitz sie gezeichnet hat“, spottete das NS-Parteiorgan „Völkischer Beobachter“ noch bevor die Künstlerin ein faktisches Ausstellungsverbot traf. Ihre Werke wurden aus allen Sammlungen entfernt. Käthe Kollwitz galt als Kommunistin, wie jeder, der seinerzeit durch soziales Engagement und durch Nähe zu Arbeiterorganisationen auffiel. Und wer gegen den Krieg war, der war den Nazis ohnehin suspekt.

Ihr klares Eintreten gegen alle Durchhalteparolen zu Ende des Ersten Weltkriegs mit Sätzen wie „es ist genug gestorben“ und „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ (was später anlässlich des Todes ihres Enkels auch Titel einer ihrer besten Lithografien werden sollte), ihre Arbeit für die Internationale Arbeiter-Hilfe, während der das weltberühmte Plakat „Nie wieder Krieg“ entstand und der von ihr unterzeichnete Appell vor den Wahlen 1933, in dem es hieß, es müssten alle Kräfte zusammengefasst werden, die in der Ablehnung des Faschismus einig seien, hatte den Nazis überhaupt nicht gefallen.

Mit unterschrieben hatte auch Käthes Ehemann Dr. Karl Kollwitz, Kassenarzt am Prenzlauer Berg im Norden Berlins. Im August 1933 wurden dem 70jährigen durch ein Urteil der Kassenärztlichen Vereinigung wegen „kommunistischer Tätigkeit“ die Behandlung aller Kassenpatienten untersagt. Karl Kollwitz starb 1940. Er und Käthe waren 49 Jahre verheiratet.

Lebensgefährlich wurde es für die Künstlerin, als 1936 in der sowjetischen Parteizeitung „Iswestija“ ein Artikel erschien, in dem propagandistisch überzogen über das Elend berichtet wurde, in dem Käthe Kollwitz leben müsste. Die Künstlerin hatte keine Ahnung, woher all die Informationen stammten, aber es las sich so, als sei sie die Quelle gewesen. Prompt erschien die Gestapo und drohte mit Verhaftung. Erschüttert schrieb Käthe Kollwitz in ihr Tagebuch, ihr Mann und sie würden eher Selbstmord begehen, als ins KZ zu gehen.

Trotz des Terrors arbeitete Käthe Kollwitz unermüdlich weiter an ihren Werken – wie ihr ganzes Leben lang. Als 28jährige hatte die gebürtige Königsbergerin ihre erste Ausstellung und erregte mit dem Zyklus „Ein Weberaufstand“ so viel Aufmerksamkeit, dass sie an der Großen Berliner Kunstausstellung teilnehmen durfte. Zu dem Werk angeregt worden war Käthe Kollwitz, nachdem sie an der Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“ teilgenommen hatte. Sie lernte auch den Dichter kennen, woraus eine lebenslange Freundschaft erwuchs.

1901 begann sie mit der Arbeit an dem Zyklus „Bauernkrieg“. Ein Jahr verbrachte sie in Paris und traf dort Auguste Rodin, dessen bildhauerische Arbeit sie tief beeindruckte.Unmittelbar nach Peters Tod begann Käthe Kollwitz damit, das Mahnmal „Die Eltern“ zu fertigen, das 1932 auf dem Soldatenfriedhof in Roggevelde bei Dixmuiden aufgestellt wurde. 1919 schaffte sie es, als erste Frau Professorin an der Preußischen Akademie der Künste zu werden. Weitere große Werke entstanden wie die Holzschnittfolge „Der Krieg“, Bronzeplastiken wie die des trauernden Elterpaares in der Kirchenruine von St. Alban und das Grabrelief Levy auf dem jüdischen Friedhof in Böcklemünd.Eine vergrößerte Kopie ihrer Pietà, die Skulptur „Mutter mit totem Sohn“, steht, übrigens auf Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, in der „zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland“ in der Neuen Wache in Berlin.

Das Lebensende der Käthe Kollwitz wurde geprägt von einer Reihe schwerer Schicksalsschläge. Nach dem Tod von Mann und Enkel und wegen der heftigen Luftangriffe auf Berlin flüchtete sie zunächst nach Nordhausen in Thüringen. 1943 zerstörten Bomben ihre Wohnung in Berlin, wo sie seit 1891 gelebt hatte. Dabei wurden unersetzliche Drucke und Druckplatten vernichtet. 1944 siedelte Käthe Kollwitz auf Einladung von Prinz Ernst Heinrich von Sachsen nach Schloss Moritzburg bei Dresden um, wo sie knapp ein Jahr später starb.

Dort, im Rüdenhof, ist inzwischen eine Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte entstanden, wie auch Museen in Berlin und in Köln. Zahlreiche Straßen und Schulen wurden nach ihr benannt, so dass Hoffnung besteht, dass der große Kampf der Käthe Kollwitz gegen Krieg, Armut und soziale Unterdrückung nicht ganz umsonst gewesen ist ...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

wow das war sehr gut verfasst.
ich fande es nur ein bisschen zu lang. Sie erwarten doch nich von mir dass ich so viel lese oder ?
immerhin bin ich doch kein Streber!