Marlene und der "Blaue Engel"

1. April


Weltstars aus Deutschland gibt es ohnehin nur eines Handvoll und der (bisher) wohl berühmteste ist Marlene Dietrich, die am 27. Dezember 1901 geboren wurde. Die Geschichte der Marlene Dietrich, das ist zugleich auch die Geschichte ihres berühmtesten Films, des „Blauen Engel“ - und zugleich ein Stück deutsche Geschichte.

Fast nämlich hätte die „UFA“ das Stück gar nicht gedreht, wenn sie nicht ihrem eigenen Produzenten Erich Pommer gehörig auf den Leim gegangen wäre. Die UFA gehörte 1930 nämlich schon seit drei Jahre zum Hugenberg-Konzern, der unmissverständliche Sympathien für nationales Gedankengut hegte, dem also ein Roman des Dichters Heinrich Mann äußerst suspekt sein musste. Denn Heinrich Mann machte sich mit Vorliebe über Deutschtümelei und Obrigkeitsstaat lustig. Und so griff Pommer zu einem kleinen Trick. Er kündigte an, einen Roman „von Mann“ verfilmen zu wollen, und jeder dachte es handelte sich um Thomas Mann, den Autor der „Buddenbrooks“. Und an Thomas hatte man bei Hugenbergs weniger auszusetzen als an seinem Bruder Heinrich, obwohl man auch ihn nicht gerade liebte.

Auch die Vergabe der Regie an den jungen Josef von Sternberg, den aufsteigenden Stern am Himmel Hollywoods, schmeckte den UFA-Verantwortlichen überhaupt nicht, da er eine seinerzeit gigantische Gage forderte. Aber auch erwar ein Glücksgriff. Denn ohne Josef von Sternberg wäre Marlene Dietrich möglicherweise nie ein solcher Weltstar geworden.

Marlene Dietrich war vor dem „Blauen Engel“ eine unbekannte Schauspielerin, die in Berlin in der Revue „Zwei Krawatten“ auftrat und nur einen einzigen Satz sagen durfte: „Darf ich Sie alle bitten, heute abend mit mir zu speisen?“. Sternberg sah sie und wollte sie als Lola. Wieder gab es Widerstand in der UFA-Chefetage. Immerhin hieß ihre Konkurrentin Lucie Mannheim, die erheblich bekannter als Marlene war und weitere Vorzüge besaß, wie Marlene in ihrer Biografie spitz bemerkt: „Sie hatte einen ziemlich breiten Hintern. Und außer ihrem schauspielerischem Talent besaß sie somit auch die Gabe, die Gunst von Emil Jannings zu gewinnen.“

5000 Dollar bekam Marlene Dietrich für ihre Rolle, Emil Jannings kassierte 200 000. Marlene kaufte sich dafür ihren ersten Nerz. Jannings war für Marlene nicht nur aus diesem Grund ein rotes Tuch. Sie fand ihn anmaßend und psychopathisch, vor allem, nachdem er ihr gesagt hatte, es würde nie eine gute Schauspielerin aus ihr werden. Alles das aber verhinderte nicht den Welterfolg des „Blauen Engel“ und die ungewöhnliche Karriere der Marlene Dietrich.

Am Tag der Uraufführung des Films am 1. April 1930 ging Marlene nach Hollywood, wo sie noch weitere sechs Filme mit Josef von Sternberg drehte (darunter „Marokko“ und „Shanghai-Express“) und schließlich Schuld am Scheitern der Ehe des Regisseurs war. 1939 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an, weil sie mit einem von Hitler beherrschten Deutschland nichts zu tun haben wollte.

Erst 1960 kehrt sie zu einer Tournee nach Deutschland zurück, wo sie aber nicht überall freundlich empfangen wurde. Am 6. Mai 1992 starb Marlene Dietrich in Paris, wo sie ihre letzten Lebensjahre zurückgezogen verbrachte.

Das Geheimnis der ganz besonderen Aura, die Marlene Dietrich ihr ganzes Leben umgab, gehört sicher, dass sie ihre Neugierde auf das Leben auszuleben verstand. Obwohl verheiratet und Mutter einer Tochter (Maria Riva schrieb nach ihrem Tod eine enthüllende Biografie, die zum Bestseller wurde) durchlebte sie stürmische Liebesaffären mit Hollywood-Stas wie Claudette Colbert und Lili Damita oder die Schriftstellerin Mercedes d’Acosta. Sie machte 1932 Herrenanzüge für Damen gesellschaftsfähig, wozu wiederum von Sternberg beitrug, indem er sie in jedem seiner Filme in Herrenhosen zeigte.

Im „Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars“ heißt es: „Mit ihrer maskulinen Singstimme wirkte sie wie ein Mann, der Frauen darstellt. Das gab ihr einen überlegenen, selbstironischen Zug.“ Und Marlene Dietrich selbst? Wie sah sie sich? „Ich bin nicht als Mann auf die Welt gekommen“, schrieb sie, „also will ich die beste Art von Frau sein.“



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