Wenn Träume fliegen

9. Mai


Jedes Kind und vor allem jeder Jugendliche träumt davon, endlich erwachsen zu sein, endlich das tun zu können, was er will, ohne Reglementierung durch Eltern, Lehrer oder sonst wen. Jeder? Nein nicht jeder. Es gibt da einen Jungen, der wollte partout nicht erwachsen werden Wenn man selbst erst einmal erwachsen ist, weiß man, dass er Recht hat.

Seit dem 27. Dezember 1904 hatte „Peter Pan, der Junge, der nicht erwachsen werden wollte“ seine Uraufführung im „Duke of York’s Theatre“ in London, geschrieben von dem Schotten Sir James Matthew Barrie, der am 9. Mai 1860 geboren wurde.

Seit dieser Peter Pan auf der Welt ist, lieben ihn die Kinder, ihn und Glöckchen, die kleine Fee mit dem Zauberstaub, Wendy und ihre Brüder, die mit Peter Pan all die haarsträubenden Abenteuer besteht und sie fürchten Käpt’n Hook und sie lauschen, ob das Krokodil kommt, das Krokodil, das den Wecker verschluckt hat. Und sie fliegen mit Peter und Wendy nach Nimmerland und später werden sie sich wünschen, dort, im Land der Träume, geblieben zu sein, das Land, in dem die kleine Indianerin Tiger-Lilly lebt und die verlorenen Jungs, wo die gefährlichen Piraten lauern, wo aber schließlich alles gut endet.

Man kann nur Rührung empfinden, wenn man erfährt, wie „Peter Pan“ entstanden ist. Barrie hatte nämlich selbst keine Kinder, aber er spielte gern mit den Söhnen seiner Freunde Sylvia und Arthur Llewelyn Davis, fünf Jungen sowie mit einem Bernhardiner, den er von seiner Hochzeitsreise aus der Schweiz mitgebracht hatte. Ihre Bühne war Kensington Gardens in London (wo heute ein Denkmal steht) und sie spielten eigentlich immer dasselbe Spiel: James Barrie war Käpt’n Hook und die Jungen wechselten sich in ihren Rollen ab. Eines Tags entstand dann die Idee, aus dem Stehgreifspiel ein Theaterstück zu machen, denn Barrie war vom Fach. Er hatte schon mehrere Stücke geschrieben und war recht erfolgreich. Aber „Peter Pan“ stellte alles in den Schatten.

Kurze Zeit später starben Barries Freunde innerhalb weniger Monaten an Krebs und der „Peter-Pan“-Dichter entschloss sich, die fünf Waisen zu adoptieren. Wenn man das weiß, erklärt sich schnell, warum Wendy ihren Vater am Schluss fragt, ob er nicht die fünf verlorenen Jungen, die sie aus Nimmerland mitgebracht hat, adoptieren wolle. Auch die ewige Jugend Peter Pans findet in Barries Biographie eine Wurzel. Er wuchs nämlich als eins von zehn Kindern im schottischen Kirriemuir auf. 1866, als er sechs Jahre alt war, starb der Liebling seiner Mutter, sein Bruder David, und der kleine James versuchte für sie die Rolle des ewig jungen David zu übernehmen, um ihn so für seine tieftraurige Mutter unsterblich zu machen.

In den mehr als 100 Jahren, seit Peter Pan erstmals auf einer Bühne gespielt wurde, gibt es unzählige Aufführungen dieses wohl berühmtesten Kinderstücks der Weltliteratur. Allein drei Mal wurde ein Musical aus dem Stoff, 1927 von Jerome Kern, 1950 von Leonhard Bernstein und 1954 von Jerome Robbins. 1953 drehte Walt Disney den erfolgreichsten Peter-Pan-Zeichentrickfilm, dem noch einige folgten.

1991 drehte Hollywood-Guru Steven Spielberg „Hook“ mit Robin Williams und Dustin Hoffman in den Hauptrollen, im April 2004 kam eine weitere Peter-Pan-Verfilmung in die Kinos mit Jungstar Jeremy Sumpter. Und vor Kurzem folgte ein weiteres Werk, das sich mit diesem Thema beschäftigt, allerdings diesmal mit dem Schwerpunkt auf der Biografie von James Matthew Barrie. Der deutsche Titel: „Wenn Träume fliegen lernen.“ Hauptrolle: Jonny Depp.

All diese Filme machen sicher nicht nur den Zuschauern Freude, sondern besonders den kleinen Patienten des „Great-Ormond-Street-Kinderkrankenhauses“ in London., dem Sir James im Jahre 1929 die Einnahmen aus sämtlichen Lizenzen überschrieb. Acht Jahre später starb der große Kinderbuchautor. Er wurde in seinem Heimatort in Schottland begraben.

Übrigens: Neben der Film- und Musikindustrie entdeckte noch eine Branche Peter Pan: Es sind die Psychotherapeuten. Menschen, die unter einem „Peter-Pan-Syndrom“ leiden, sind nicht bereit Verantwortung zu übernehmen, sie weigern sich, die Lebensregeln der Erwachsenen zu akzeptieren und sie wollen nichts anderes als ihren Spaß. Manchmal hat man den Eindruck, dass diese Erkrankung beginnt, die Ausmaße einer Epidemie anzunehmen ...

Keine Kommentare: