Wer war Beethovens Elise?

27. April


Es gehört zu den bekanntesten Musikstücken aller Zeiten, es sind aber noch lange nicht alle Rätsel gelöst, obwohl „Für Elise“, wie Ludwig van Beethoven sein Klavierstück in a-Moll nannte und es heute vor 200 Jahren, am 27. April 1810, mit der Widmung versah „zur Erinnerung an L.v. Bthvn.“
Denn niemand weiß bis heute ganz genau, wer diese Frau war.

Der Musikwissenschaftler Max Unger vermutete, das sein Kollege Ludwig Nohl, der viele Jahre nach Beethovens Tod (1865) das bis dahin verschollene Autograph entdeckt hatte, bei der Übertragung einen Fehler machte und dass es eigentlich nicht „Elise“ gewidmete war, sondern „Therese“, womit seine Schülerin Therese Malfatti von Rohrenbach zu Detta gemeint gewesen wäre.

Beethoven, ein großer Freund schöner Frauen, hatte die Kaufmanns-Tochter und Cousine eines damals berühmten Arztes offenbar heiraten wollen, denn er machte ihr einen Heiratsantrag und ließ sich im Mai 1810 seinen Taufschein schicken, den man damals zur Hochzeit benötigte.
Aber die Angebetete entschied sich, wie so viele Frauen im Leben des großen Komponisten, anders.

Unger begründet seine These vor allem damit, dass Therese Malfatti tatsächlich viele Jahre lang das Original (das kurz nach der Entdeckung spurlos verschwand) besessen haben soll.

Nun könnte allerdings die „Für-Elise“-Geschichte ganz anders gewesen sein, wie der Mailänder Musikwissenschaftler Luca Chiantore vermutet. Nach seiner Überzeugung stammt das Stück gar nicht von Beethoven, sondern von Nohl, der sich lediglich von Beethoven inspirieren ließ. Selbst wenn dies so wäre, wäre dies nach Meinung der „Welt“ nicht besonders schlimm, denn dadurch werde der Status als beliebtestes Musikstück der Deutschen wohl nicht erschüttert. „Höchstens vom Flohwalzer“, schreibt die Zeitung, „aber von dem weiß auch niemand, von wem er stammt.“

Nach Meinung des Berliner Experten Klaus Martin Kopitz war die „Elise“ eine ganz andere Frau, zwar auch eine seiner Schülerinnen, aber nicht Therese Malfatti. Seit Jahren untersucht der Wissenschaftler Berichte von Beethovens Zeitgenossen und fand heraus, dass es sich bei „Elise“ um Elisabeth Röckel handeln muss, eine seinerzeit 17jährige spätere Opernsängerin, die sich wenige Tage vor Beethovens Tod eine Locke von seinem Haar abschnitt, die noch heute im Beethoven-Haus in Bonn zu besichtigen ist.

Da, so könnte man argumentieren, stimmt ja immerhin der Name überein. Und außerdem kannten sich Therese Malfatti und Elisabeth Röckel.

Aber es könnte auch ganz anders gewesen sein, denn genau in jener Zeit, im Frühjahr 1810, war Beethoven sehr häufig zu Gast im Haus des Musikmäzen Franz Brentano, dessen Frau Antonie kränkelte. Dann schlich Beethoven in ihr Zimmer und spielte etwas auf dem Klavier, bevor er ohne ein Wort zu sagen wieder ging.

Eines Tages, als er gerade Goethes Gedicht „Kennst du das Land ...“ musikalisch interpretierte, legten sich während des Spiels zwei Hände auf seine Schulter und als er sich umdrehte, sah er eine junge, hübsche Frau, die ihm zulächelte. Es war Bettina Brentano, die Schwester von Franz und Clemens Brentano, der damals schon die Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ herausgegeben hatte und dadurch berühmt geworden war.

Bettina Brentano, die spätere Bettina von Arnim, wurde eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Romantik und schilderte diese Begegnung in einem ihrer Bücher. Außerdem war sie eine Freundin des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, dem sie in Briefen so von Beethoven vorschwärmte, dass dieser sich mit ihm treffen wollte, was dann im Juli 1812 im böhmischen Badeort Teplitz tatsächlich geschah.

Aber wieso soll Bettina Brentano „Elise“ gewesen sein? Bettina klingt ja eigentlich wenig nach „Elise“. Schon, aber Bettina Brentano, die auch „Bettine“ genannt wurde, hieß eigentlich Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena mit Vornamen und dann würde die Widmung wieder Sinn machen, oder? Wie auch immer, die Forschung in Sachen „Für Elise“ ist noch lange nicht abgeschlossen, aber das mit „Bagatelle“ bezeichnete Stück hört man immer wieder gern – zur Not auch als Klingelton fürs Handy ...

1 Kommentar:

Bettina hat gesagt…

Ich glaube, dass es für Bettine Brentano war.Bettina