80 Jahre Tiefkühlkost

6. Juni


Der Urahn von „Käpt’n Iglo“ hieß Clarence Birdseye, zumindest, was die Erfindung der Vorfahren unserer Fischstäbchen betrifft. 1927 wurde das Patent für „Frozen Fish Fingers“ in England patentiert. Den Trick mit dem Eis hatte Birdseye den Eskimos abgeguckt.

Meist haben ja Erfinder nicht viel von ihren Patenten und werden von den Ausbeutern ihrer Ideen über den Tisch gezogen. Der New Yorker Clarence Birdseye bildet da eine erfreuliche Ausnahme: Satte 22 Millionen Dollar strich er dafür ein, dass er der Menschheit einen uralten Traum erfüllte: Frisches Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch das ganze Jahr hindurch, praktisch ohne Einbußen an Geschmack und Vitamingehalt.

Schon knapp drei Jahre später, am 6. Juni 1930, wurde die erste professionell bearbeitete und verpackte Tiefkühlkost in 18 Einzelhandelsgeschäften in Springfield (Massachusetts) von der Firma General Food (damals noch Postum Company) angeboten, mit der Clarence Birdseye in Sachen Tiefkühlkost zusammen arbeitete. Markenname: Birds Eye Frosted Foods.

Insgesamt waren es 27 Produkte, mit denen die amerikanische Hausfrau erfreut werden sollte: Fleisch, Spinat, Erbsen, Früchte, Fisch, darunter die in diesem Teil der Welt besonders schmackhaften und beliebten Austern.

Die Methode, Nahrung schnell und bei niedrigen Temperaturen einzufrieren, hatte Birdseye seinen eingeborenen Landsleuten in Alaska abgeguckt, wo er als Biologe für die US-Regierung arbeitete. Als Fachmann erkannte er, dass die Blitzfrostung verhinderte, dass sich Eiskristalle bildeten und die Zellstruktur zerstörten. Wieder zurück in New York kaufte sich Birdseye für sieben Dollar einen Ventilator, schleppte Salzwasser heran und holte sich Eisblöcke. Dann fing er an zu tüfteln, baute gewachste Pappkartons, experimentierte mit hohem Druck und niedrigen Temperaturen, bis er 1930 sein Patent mit der Nummer 1773079 erhielt.

Rund 20 Jahre später führten rund zwei Drittel aller amerikanischen Lebensmittelgeschäft Tiefkühlkost und noch länger sollte es dauern, bis Kühlschränke mit Tiefkühlabteil zum Standart in den Küchen gehörte. Aber ein Anfang war gemacht.

Die Lebensgeschichte des Clarence Birdseye liest sich wie ein mit Klischees gespickter Roman über den „amerikanischen Traum“. Geboren wurde er am 9. Dezember 1886 im New Yorker Stadtteil Brooklyn als Sohn eines nicht besonders erfolgreichen Rechtsanwalts und der Tochter eines relativ bekannten Erfinders. Das Geld war knapp im Hause Birdseye, so dass der junge Clarence früh lernen musste, dass man seinen Lebensunterhalt verdienen musste.

Immer schon interessierte sich der Junge aus der Großstadt für alles, was in der Natur kreucht und fleucht. Seinen Spitznamen „Bugs“ (Wanze) verdiente er sich dadurch, dass er Ratten und Frösche fing und an Universitäten und den Zoo als Futter für Reptilien verkaufte.

Nach der Zeit im College verschlug es ihn nach Labrador, er wurde Pelzhändler und begann, die Eskimos zu beobachten. Diese genauen Studien waren es, die Clarence Birdseye schließlich zu einem überaus erfolgreichen Erfinder und zu einem vermögenden Mann machen sollte.
Denn er ist nicht nur der Vater der Tiefkühlkost, sondern ließ sich so wichtige Dinge einfallen wie eine Art „Wal-Bazooka“, eine Harpune, mit der Wale gekennzeichnet werden konnten, um ihre Wanderung zu erforschen oder eine Infrarotlampe oder Scheinwerfer, um Waren in Einzelhandelsgeschäften gut ausleuchten zu können oder eine elektrisch betriebene Angel.

In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte sich Clarence Birdseye mit Papierherstellung. Er verbrachte zwei Jahre auf einer Plantage in Peru, wo er eine Methode entwickelte, wie man Papier aus Zuckerrohr-Resten produzieren konnte und zwar in einem Bruchteil der Zeit, die man zuvor benötigt hatte. 1956 starb Clarence Birdseye im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt.

Über sich selbst sagte er einmal: „Ich halte mich für keinen besonders bemerkenswerten Menschen. In der Schule war ich nicht sehr gut, ich habe noch nicht einmal den College-Abschluss. Und ich bin auch nicht der beste Verkäufer der Welt, aber ich ziemlich neugierig, was die Welt um mich herum betrifft und diese Neugierde, verbunden mit der Bereitschaft, Risiken einzugehen waren verantwortlich für den Erfolg und die Befriedigung, die ich in meinem Leben erfahren habe.“ Das Thema zum Thema „American Dream“.

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