Der erste echte Cowboyhut

5. Mai


So ein Stetson ist schon ein praktisches Ding: Wenn die Sonne herunter knallt, dann bietet er Schatten, wenn es wie aus Kübeln schüttet, schützt er vor Nässe und wenn der treue Gaul nicht direkt aus einem Fluss oder einem Bach trinken kann, dann füllt man seinen Stetson mit dem kostbaren Nass, trinkt selbst und lässt dann sein Pferd daraus schlabbern. Abends, am Lagerfeuer, da kann man mit dem Hut so viel Wind machen, dass es eine ordentliche Glut ergibt. Und das wichtigste: Man kann Kühe in die richtige Richtung dirigieren, wenn man ihn hin- und herschwenkt. Kurz: Ein Stetson ist für jeden Cowboy unersetzlich.

Bevor es ihn gab, also vor dem Jahr 1865, da trugen die Männer im Wilden Westen alles Mögliche, irgendwelche Kappen oder Kapitänsmützen, Strohhüte oder von den Mexikanern abgeguckte Sombreros. Erst als John B. Stetson auf der Bildfläche erschien, der in diesen Tagen vor 180 Jahren, genau am 5. Mai 1830, geboren wurde, da kam auch er auf die Welt, der erste echte Cowboyhut.

Dieser John Batterson Stetson, siebtes Kind in einer 14köpfigen Großfamilie in Orange im Bundesstaat New Jersey, lebte ganz im Osten der USA, also weit weg von Prärie, riesigen Rinderherden und Indianern. Aber mit Hüten hatte er schon sehr früh etwas am Hut, denn sein Vater Stephan war Hutmacher.

John B. Stetson ging es gar nicht gut in der Jugend. Er litt unter Tuberkulose und sein Arzt hatte ihm ein nur kurzes Leben vorhergesagt. Da er aber unbedingt den Wilden Westen kennen lernen wollte, bevor er starb, beschloss der junge Mann in die Rocky Mountains zu ziehen, nach Colorado, wo 1858 an Pikes Peak Gold gefunden worden war. Er stimmte ein in den Schlachtruf der Glücksritter „Pike’s Peak or bust!“ (Pike’s Peak oder Pleite!) und beobachtete mit Interesse die Mützen aus Waschbärfell, die einige Goldsucher trugen.

Dann hatte er eine Idee: Warum nicht einen Filzhut herstellen, der aus dem Unterhaar von Biberfellen besteht? Der wäre schön leicht und wasserabweisend. Und er hält warm. Gesagt, getan und es entstand ein erster, ziemlich auffälliger, weil ziemlich großer Hut mit breiter Krempe. Den trug er dann auch, erst zum Spaß, aus dem dann schnell ernst wurde, als ihm ein Cowboy ein Fünf-Dollar-Goldstück anbot und ihn kaufte.

Stetson ging zurück in den Osten und erwarb in Philadelphia eine Fabrik, in der er die ersten Hüte herstellte, die am Hutband seinen Namen trugen, legendäre Kopfbedeckungen wie den „Boss of the Plains“ oder den „Ten Gallon Hat“, dessen Name wohl eher auf einem Missverständnis beruht, denn ursprünglich nannten die Mexikaner diesen ziemlich großen Hut „un sombrero tan galan“, was soviel heißt wie ein „sehr eleganter Hut“, woraus dann „Ten Gallon“ (zehn Gallonen) wurde.

Es dauerte nicht lange und die von Stetson gegründete Firma eroberte den Hutmarkt des Landes und später auch darüber hinaus. Schon bald gehörte es zum guten Ton, einen Stetson zu tragen, die US-Kavallerie wurde damit ausgerüstet, so dass auch der unglückliche George Armstrong Custer einen Stetson trug, als er und seine Männer 1876 am Little Big Horn von Indianern massakriert wurden,

Natürlich hatte auch Buffalo Bill einen Stetson auf dem Kopf oder Annie (get your gun) Oakley, wenn sie ihre Schieß-Kunststücke veranstaltete. John Wayne trug ihn und Tom Mix, zahlreiche US-Präsidenten ließen sich gern mit ihm fotografieren und einer schaffte es sogar ins Museum: Das war der von J.R. Ewing, der nach dem Ende von „Dallas“ im „Smithsonian National Museum of American History“ in Washington landete.

John B. Stetson wurde 75 Jahre alt und starb am 18. Februar 1906.

Die „Stetson“ Hut-Fabrik ist heute in St. Joseph im Bundesstaat Missouri angesiedelt und produziert Westernhüte in Hunderten von Formen und Farben. Die Preise für diese Hüte bewegen sich zwischen bescheidenen 35 Dollar und 5000 Dollar für einen, der üppig mit Diamanten besetzt ist.

Übrigens: Das berühmte „X“, das im Innenleder eines jeden Stetson zu finden ist, ist ein Qualitätsmerkmal. Es bezeichnet den Anteil von Biberhaar. Je mehr „X“ dort stehen, um so seidiger und unverwüstlicher ist er. Der Wahlspruch der Firma, die inzwischen unter anderem auch Kosmetika und Sonnenbrillen verkauft, ist typisch amerikanisch selbstbewusst und ein ganz klein wenig überheblich: „Stetson, das ist nicht ein Hut, das ist der Hut“.

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