Philosoph des Krieges

1. Juni


Sein großer Ehrgeiz war, „ein Buch zu schreiben, das nicht nach zwei oder drei jahren vergessen wäre“. Es ist ihm gelungen. 1832, wenige Monate nachdem Carl von Clausewitz im Alter von 51 Jahren an der Cholera gestorben war, brachte seine Witwe Marie jenes Buch heraus, das bis heute in der ganzen Welt als militärisches Standardwerk Nummer eins gilt: „Vom Kriege“.

Clausewitz Buch ist aber alles andere als eine Gebrauchsanweisung, wie man am besten einen Krieg gewinnt, sondern es ist eine eher philosophische Betrachtung der Wechselwirkung von militärischem und politischem Handeln. „Der Krieg ist ein Instrument der Politik, „schreibt Clausewitz, „er muss notwendig ihren Charakter tragen, er muss mit ihrem Maße messen; die Führung des Krieges in seinen Hauptumrissen ist daher die Politik selbst, welche die Feder mit dem degen vertauscht, aber darum nicht aufgehört hat, nach ihren eigenen Gesetzen zu denken.“ Und: „Die Politik hat den Krieg erzeugt; sie ist die Intelligenz, der Krieg aber bloß das Instrument, und nicht umgekehrt. Es bleibt also nur das Unterordnen des militärischen Gesichtspunktes unter den politischen möglich.“

Der Historiker Hellmut Diwald erkennt den Kern der Clausewitzschen Gedanken in der „unbedingten Zurücksetzung des rein Militärischen gegenüber dem Politischen. Das heißt: Jeder Konflikt, so ausweglos er auch zu sein scheint, wird am besten, das heißt am sinnvollsten mit Hilfe politischer Mittel gelöst, und nicht mit Hilfe militärischer. Die Kanonen waren einmal die ‘ultima ratio regis’ (‘das letzte Mittel der Könige’). Seit Clausewitz sind sie, und heute mehr denn je, die ‘ultima stultitia’ (‘die letzte Torheit’).“

So überraschend es auf den ersten Blick auch erscheint: Carl von Clausewitz, ein konservativer preußischer Militär-Philosoph wurde ein Jahrhundert später zu einem Vordenker des Kommunismus. Sowohl Lenin als aus Mao Tsetung entdeckten den Militär- und Politik-Theoretiker Clausewitz für sich, benutzten seine Gedanken so wie sie waren oder änderten sie in ihrem Sinne ab. Aus dem Clausewitzschen Satz „Der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel“ machte Lenin: „Die Politik ist nichts anderes als die Weiterführung des Krieges mit anderen Mitteln.“

Mao eignete sich die Gedanken Clausewitz zum Teil wörtlich an. Der obige klingt bei ihm so: „Politik ist unblutiger Krieg und Krieg ist blutige Politik.“

Lenin hatte Clausewitz für sich entdeckt, als er während seines Schweizer Exils in den Briefen von Friedrich Engels an Karl Marx blätterte und darin die Engelsche Einschätzung fand, dieser Clausewitz sei „ein Stern“. Seine Gedanken schrieb er in ein kleines Notizbuch, das später zu einer Reliquie des Weltkommunismus wurde.

Aber nicht nur unter den führenden Kommunisten des 20. Jahrhunderts fand Clausewitz seine Anhänger. Reichspräsident und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg urteilte beispielsweise: „Es gibt ein Buch ‘Vom Kriege’ das nie veraltet“ und Thomas Edward Lawrence, der legendäre „Lawrence von Arabien“ lobte: „Clausewitz war allen geistig so überlegen und sein Buch so logisch und mitreißend, dass ich mir unbewusst seine Schlussfolgerungen zu eigen machte.“

Carl von Clausewitz wurde am 1. Juni 1780 in Burg bei Magdeburg geboren und starb am 16. November 1831. Schon im Alter von 12 Jahren trat er in ein preußisches Infantrieregiement ein, mit 13 wurde er Fähnrich, mit 15 Leutnant. Er besucht die Allgemeine Kriegsschule in Berlin und wird zu einem der engsten Mitarbeiter der berühmten preußischen Militärs Scharnhorst und Gneisenau.

1812 wechselt er aus Protest gegen den preußische Pakt mit Napoleon in das russische Heer ein und wird zum entscheidenden Mann der Konvention von Tauroggen, in der sich das preußische Hilfscorps im Russland-Feldzug Napoleons für neutral erklärte. Diese Konvention bildet den Anfang einer Anti-Napoleon-Allianz, die schließlich zum Sturz des „Kaisers der Franzosen“ führte. Er gilt, so Hellmut Diwald „als der größte militärische Denker des Zeitalters und der bedeutendste Philosoph des Krieges, den die Geschichte kennt.“

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