Rettung aus Seenot

29. Mai


Wenn die Sehnsucht nach Meer übermächtig wird und die Menschen davon träumen, zur See zu fahren, und wenn sie es dann auch tun, dann folgt meist die Erkenntnis, dass dies nicht gänzlich ungefährlich ist. Und so gilt es, eine Einrichtung zu feiern, die am 29. Mai 1865 gegründet wurde, die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“. Und die kann eine stolze Bilanz vorweisen: Mehr als 65 000 Menschen entrissen die mutigen Männer dem nassen Tod, die Einwohnerzahl einer Stadt wie Lüneburg.

Dabei war es durchaus keine Selbstverständlichkeit, in Seenot geratenen Menschen zur Hilfe eilen zu dürfen, denn seit Alters her war es das verbürgte Recht eines jeden, der direkt am Meer lebte, sich alles anzueignen, was die See an Land spülte. Ein Drittel bekam der Finder, ein Drittel der Eigentümer des Strandstücks und ein Drittel der Landesherr. Und wenn es sich richtig lohnte, konnten selbst ansonsten brave Küstenbewohner zu Strandräubern und sogar zu Mördern werden. „Strandrecht“ hieß das.

Aber Mitte des 19. Jahrhunderts häuften sich die Schiffsunglücke, vor allem der gewaltige Ausmaße annehmende Schiffsverkehr über den Atlantik sorgte für immer mehr Katastrophen.
Am 13. September 1858 geriet die „Austria“, ein Schiff der Hamburger Reederei HAPAG, vor Neufundland in Brand. 449 Menschen fanden den Tod, nur 89 überlebten. Bereits im November 1854 wurde ein weiteres dieser Schiffe, die „Johanne“, Opfer eines schweren Herbststurmes vor Spiekeroog. Und obwohl dies praktisch in Sichtweite der Küste geschah, ertranken 84 Auswanderer. Rund 50 Schiffe holte sich der „blanke Hans“ seinerzeit im Jahr. Es musste also etwas geschehen.

Es war ein 27jähriger Ex-Matrose namens Adolph Bermpohl, der sich in der „Vegesacker Wochenschrift“ leidenschaftlich für ein Seenot-Rettungssystem nach englischem und holländischem einsetzte. Sein Appell wurde von anderen Zeitungen übernommen, er fand schnell Mitstreiter und überall schossen Rettungsstationen buchstäblich aus dem Boden.
Schließlich bekam ein gewisser Dr. Arwed Emminghaus alle Interessen unter einen Hut. Das Ergebnis ist die Gründung der DGzRS in Kiel.

Aber da der erste Vorsitzende, Konsul Hermann Henrich Meier, Bremer war, wurde die neue Gesellschaft dann doch an der Weser angesiedelt. Von Anfang an war klar, dass man nicht von staatlicher Hilfe abhängig sein wollte. Bis heute finanzieren sich die deutschen Seenotretter ausschließlich aus Spendengeldern.

Die anfänglichen Unkenrufe, man werde keine ausreichende Anzahl kühner Männer finden, die bereit sein würden, für ihre in Not geratenen Mitmenschen Kopf und Kragen zu riskieren, bewahrheiteten sich nicht. Immer wieder fanden sich meerwasserfeste Seebären, die sich zunächst in relativ einfachen Ruderbooten, später in Motorbooten und heute in wahren High-Tec-Wunder-Seenotrettungskreuzern mit Beiboot hinauswagten. Und oft genug riskierten sie dabei nicht nur ihr Leben, sondern sie verloren es. Insgesamt verfügt die DGzRS heute über 59 Rettungsschiffe und 185 Angestellte. Hinzu kommen noch mehr als 700 ehrenamtliche Helfer und rund 330 000 Menschen, die als Spender registriert sind.

Schlauchboot in Seenot
Bei den rund 1400 Menschen, die Jahr für Jahr gerettet werden, handelt es sich nicht nur um Besatzungen großer Schiffe. Immer wieder geraten vor allem Fischkutter, aber auch leichtsinnige Segler oder Schlauchbootfahrer in Seenot, ebenso wie einsame Wattwanderer, die die herannahende Flut unterschätzen.

War es früher noch ein Problem, die nächste Seenotrettungsstation zu alarmieren, so hat das Handy dies jetzt gelöst. Einfach die Telefonnumer 0421/536870 oder die Mobilfunknummer 124124 anrufen und schon meldet sich die Seenotrettungszentrale. Und was sagt man dann? Früher üblich war „SOS“, eine im Morsealphabet recht praktische Buchstabenfolge (und nicht, wie oft angenommen wird, die Abkürzung für „Save ours souls“- Rettet unsere Seelen), aber das ist ein wenig antiquiert. Wer auf der Höhe der Zeit ist, ruft „Mayday“ ins Telefon, was ja an sich schon merkwürdig ist, denn warum soll man „Maitag“ schreien, wenn man in Not ist? Nein, „Mayday“ ist nur eine englische Verballhornung des französischen „m’aidez!“ (helfen Sie mir).
Aber das nur am Rande.

Viele wichtiger ist, dass die DGzRS stets in Geldnot ist, die 32 Zentimeter kleinen Rettungsbötchen in den Kneipen und Kiosken, füllen sich immer zögerlicher. Deshalb hier die Spendennummer: Kontonummer 1072016 bei der Sparkasse Bremen (BLZ 290 50 101).

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