Verbote, Verbote, Verbote

13. Juni

Eine menschliche Gesellschaft ohne Regeln endet im Chaos und genau aus diesem Grund gibt es Verbote – einige sinnvoll, viele sinnlos und die einen oder anderen einigermaßen skurril. So kann man sich beispielsweise nur schwer vorstellen, was sich die amerikanische Post dabei gedacht hat, am 13. Juni 1920 zu verfügen, dass Kinder nicht in Paketen verschickt werden dürfen ...

Nachvollziehen kann man allenfalls das Hubverbot für die gesamte französische Mittelmeerküste vom 18. Juni 1955, aber warum die US-Gemeinde Riverside Liebenden vorschreibt, sich nach dem Küssen den Mund mit Rosenwasser abzuwischen und warum in London Sex insbesondere auf abgestellten Motorrädern verboten ist, entzieht sich einigermaßen gängiger Logik.

Dabei zeigt alle menschliche Erfahrung, dass es nicht allzu viel nützt, Verbote auszusprechen – im Gegenteil. Gerade in Städten wie Moskau, Shanghai, Singapur, Schwerin oder Frankfurt am Main, in denen das Spucken auf die Straße bestraft wird, hat sich gezeigt, dass gerade dadurch bei vielen Menschen der Speichelfluss angeregt wird mit allen daraus zwangsläufig folgenden Übertretungen der öffentlichen Ordnung.

Vor allem optische Verbotszeichen führen gelegentlich zu unerwünschten Resultaten. Der Psychologieprofessor Paul Pauli von der Universität Würzburg hat beispielsweise festgestellt, dass eine intakte brennende Zigarette bei Rauchern stimulierende Wirkung hat, auch, wenn man einen roten Strich durch das Objekt der Begierde zieht. Er empfahl im „Spiegel“, eher „mickrige Kippen“ abzubilden, die Raucher erheblich weniger ansprechen würden.

Denn Forscher haben inzwischen herausgefunden, dass selbst Warnungen vor gesundheitsschädlichen Produkten kauffördernd wirken, da sich der Konsument nur das merkt, was für ihn angenehm, nicht, was unangenehm ist.

Dessen völlig ungeachtet untersagt beispielsweise eine rapide steigende Zahl von Ländern das Rauchen in der Öffentlichkeit, was einige hunderttausend Holländer in ziemlich Bedrängnis bringt, denn sie wollten nach einer entsprechenden Ankündigung ihrer Regierung das Land verlassen.

Nur wohin?
In die USA gewiss nicht, dort darf man noch nicht einmal am Strand qualmen.
Und das ausgerechnet in den USA, in dem Land, das mit einem generellen Verbot die allerübelsten Erfahrungen gemacht hat. Gemeint ist natürlich das Prohibitionsgesetz aus dem Jahr 1917, das wegen der unmäßigen Sauferei in US-Saloons Ende des 19. Jahrhunderts von Damenkränzchen wie der „Vereinigung christlicher Frauen für Mäßigung“ initiiert wurde. Zunächst sah es sogar gut aus: Im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes sank der Alkoholkonsum um immerhin 30 Prozent, dann aber erholten sich Hersteller, Schmuggler und Konsumenten von ihrem ersten Schock. Nun wurde der Schnaps schwarz gebrannt oder über die unendlich langen Grenzen der USA geschmuggelt und in privaten Clubs hinuntergestürzt. Denn das Trinken von Alkohol war nicht verboten.

Die Verbrecherorganisationen scheffelten so viel Geld, dass sie bis heute ein nicht mehr ausrottbarer Machtfaktor wurden. Außerdem stiegen die Menschen von Bier und Wein auf harte Spirituosen um, weil diese schneller Wirkung zeigten und man sie problemloser transportieren konnte. Dem Staat fehlten außerdem die Einnahmen aus der Alkoholsteuer, dieses Geld floss nun in die Taschen der Mafia. Am 5. Dezember 1933, rechtzeitig zum Weihnachtsfest, war der Spuk vorbei, die Prohibitionsgesetze wurden aufgehoben.

Aus all dem hätte man viel lernen können, aber immer wieder, wie beispielsweise bei der Diskussion über eine Lockerung des Verbots von leichten Rauschgiften, werden diese Erkenntnisse schlichtweg ignoriert.

Wer Verbote erlässt, das ist nun einmal unvermeidbar, muss auch sicherstellen, dass sie befolgt werden. Und so sind solche Gesetze und Verordnungen, was oft übersehen wird, gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Es müssen Beamte eingesetzt werden, Polizisten, Gerichte und Leute, die alles vollstrecken. Werbeagenturen und Schilderhersteller wollen ja auch verdienen,
Was, zum Beispiel, würde passieren, wenn das Parkverbot in Städten generell abgeschafft werden würde? Was täten dann all die Politessen, Parkuhr-Hersteller, Knöllchendrucker und die Punktenotierer in Flensburg?

Und was wäre, wenn deutsche Polizeiverordnungen nicht mehr untersagen würden, seine Notdurft im Freien auf städtischen Grund und Boden zu verrichten und ohne Genehmigung Giftschlangen und andere tropische Tiere zu halten?

Es wäre das reine Chaos. Und das will doch wirklich niemand.

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