70 Jahre Bugs Bunny

27. Juli

Verändert hat er sich kaum in den 70 Jahren, seit er zum ersten Mal Möhrchen-knabbernd und sprühend vor Witz und Einfallsreichtum mit einer Hauptrolle auf der Leinwand erschien: Bugs Bunny, der wohl berühmteste Hase der Welt, die einzige Comic-Figur aus der Zeit vor dem Fernsehen, die auch heute noch ganz oben in der Gunst des Publikums steht.

In einer Hitparade jedenfalls, die die US-Zeitschrift „TV Guide“ ermittelte, holte sich Bugs Bunny die Pole-Position vor einem Homer Simpson, Rocky und Bullwinkle und Beavis und Butthead. Mickey Mouse, Urahne aller Zeichentrick-Helden, landete nur auf Platz 19.

Für seinen Schöpfer Frederick Bean „Tex“ Avery, den Mann, der Bugs Bunny in dem am 27. Juli 1940 erstmals gezeigten Streifen „The Wild Hare“ (deutscher Titel „Die Hasenfalle“) das Leben schenkte, wäre dies sicher eine besondere Genugtuung gewesen, denn seinerzeit, in den 30er, 40er Jahren galt nur eines für die Konkurrenz Warner und MGM: Dem übermächtig scheinenden Walt Disney um jeden Preis Paroli zu bieten. MGM brachte „Tom und Jerry“ und da es immer besser ist, gut zu klauen, als schlecht zu erfinden, lehnte sich der für die Warner-Studios zeichnende Avery mit seinem Bugs Bunny stark an eine Figur namens Max Hare an, die 1935 in dem Disney-Trickfilm „The Tortoise and the Hare“ (Die Schildkröte und der Hase) debütierte. Aber Tex Avery war eine Feier dieses späten Triumphs nicht vergönnt. Das am 26. Februar 1908 in texanischen Taylor geborene Comic-Genie starb bereits am 28. August 1980 in Kalifornien an Lungenkrebs.

Den Oscar für seinen Bugs Bunny in „Knighty Knight Bugs“ 1958 durfte er aber erfreulicherweise noch in bester Gesundheit miterleben.Als namenloser Statist war der Weltstar unter den Hasen übrigens schon 1938 zu sehen in einem von Ben Hardaway gedrehten Streifen mit dem Titel „Porky`s Hasenjagd“. Und da Ben Hardaway den Spitznamen Bugs hatte, wurde daraus „Bug’s Bunny“ also „Bugs Hase“, oder, korrekter, „Bugs Kaninchen“, denn Bunny ist ein Kose-Wort für Rabbit und das heißt nun einmal Kaninchen. Ja, wie nun?

Hase oder Kaninchen?

Die Länge der Ohren, die schlanke, elegante Erscheinung und die Lässigkeit, mit der er sein berühmtes „Eeh, what’s Up, Doc“ zum Besten gibt, deutet einerseits darauf hin, dass es sich bei Bugs Bunny trotz seines Namens um einen Hasen handelt. Andererseits ist die weiße Brust eher ein Merkmal des Kaninchens. Aber sei’s drum, in mehr als 175 Cartoons spielte das coole Nagetier eine Hauptrolle, entrann immer wieder den aberwitzigsten Situationen und weder Schweinchen Dick noch Elmer Fudd, der ebenso gnaden- wie glücklose Jäger, Yosemite Sam, das hitzköpfige Männlein, Daffy, der eifersüchtige Konkurrent oder der tasmanische Teufel, ja noch nicht einmal Basketball-Weltstar Michael Jordan in „Space Jam“ konnten ihm je das Wasser reichen in der Gunst des Publikums.

Sein Erfolg waren trotz all des abgedrehten Chaos, für das Tex Avery stets in seinen Filmen sorgte, die witzigen Anspielungen auf andere „Kollegen“ auf der Bühne und im Konzertsaal, so wie als „Rabbitt Hood“, der vom Sheriff von Nottingham verfolgt wird, weil er Karotten aus dem Garten des Königs geklaut hat oder in einer Adaption des „Hänsel-und-Gretel“-Stoffs oder in „What’s Opera, Doc?“, in der Wagners Ring in nur sieben Minuten verwurstet wurde.

Ganz genau weiß niemand, wie es mit dem Zeichentrickfilm, den 1885 der Franzose Emile Reynaud erfand, indem er seine Figuren direkt auf Filmstreifen zeichnete, weitergehen wird. Die durch Computer beherrschte Animations-Technik, das heißt 3D-Filme wie „Toy Story“, „Ice Age“ oder „Findet Nemo“, scheinen seit Mitte der 90er Jahre die Nase weit vorn zu haben, obwohl immer noch weltweit eine Menge „klassische“ 2D-Trickfilme produziert werden.

Bugs Bunny ist noch einer aus des guten alten Zeit, einer von früher, der es wohl schwer haben wird gegen „Die Unglaublichen“ oder „Shrek“ zumal sein letzter Film „Blooper Bunny“ schon 1991 gedreht wurde, als niemand ahnen konnte, was man alles mit „Keyframes“ und „inverser Kinematik“ . anstellen kann. Aber als in die Jahre gekommener Hase interessiert man sich für so etwas ja kaum noch ...

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