Mütter, Mütter, Mütter

24. August

Sie hatten ihre Söhne fest im Griff, auch wenn diese selbst die Welt beherrschten oder noch so berühmt oder mächtig waren – die starken Mütter der Weltgeschichte. Da war zum Beispiel Maria Laetitia Bonaparte, die der Kaiser der Franzosen respektvoll Madame Mère nannte, die am 24. August 1750 geboren wurde. Oder man denke an Olympias, die Mutter Alexanders des Großen, Lady Randolph Churchill, Suzanne Valadon, die Mutter des Malers Utrillo oder auch Dolly Sinatra, ohne deren energischen Einsatz die Weltkarriere von Sohnemann Frankie wohl niemals begonnen hätte.

Die Welt zitterte vor ihm und er vor seiner Mutter: Und wenn man sie ein wenig kennen gelernt hat, die Madame Mère, dann kann man verstehen, warum dem großen Napoleon Bonaparte die Knie schlotterten, wenn er sie nur sah. Denn Laetitia Bonaparte war zänkisch, ein rechter Geizkragen, herrisch und völlig unbeugsam, wenn es um die Durchsetzung ihrer Interessen ging. Aber sie wurde eine reiche Frau und hin und wieder schrieb sie auch Weltgeschichte, als sie beispielsweise ihrem zaudernden Sohn befahl, das Exil auf der Insel Elba aufzugeben und wieder in den Kampf zu ziehen. „Du bist nicht geboren, um auf Elba zu sterben“, sagte sie. Napoleon gehorchte und erlebte sein endgültiges Waterloo.

Gegen Ende ihres Lebens wurde die Mutter der Grand Nation ein wenig bescheidener. „Napoleon war nicht unfehlbar. Napoleon war nicht der Sohn Marias, sondern der Sohn der Laetitia.“ Geschäftstüchtig jedenfalls blieb sie bis an ihr Ende. Den Todeskampf der 87jährigen durfte jeder Tourist durch eine Lücke in einer spanischen Wand miterleben. Er musste allerdings dafür einen Scudo zahlen.

Aus ähnlichem Holz war auch die Mutter des ersten Welteroberers, Alexander des Großen. Olympias, die schöne und wilde Molosserprinzessin, die vor knapp 2400 Jahren geboren wurde, war die erste wirklich erfolgreiche dieser machtbesessenen Spezies Mutter. Ohne sie wäre ihr Ehemann Philipp II. von Makedonien, ein trinkfester, manchmal grausamer, manchmal gutmütiger und schlitzohriger Raufbold, ein zweitklassiger Provinzfürst im nördlichen Griechenland geblieben. Ihrem Sohn Alexander redete Olympias ein, er sei nicht nur der Sohn des Zeus, sondern auch Nachkomme des sagenhaften Achilles, des Helden von Troja, was den zukünftigen Welteroberer bewog, sich Zeit seines Lebens Homers Ilias unter das Kopfkissen zu legen.

Dann organisierte sie den Mord an ihrem Gatten Philipp, um Alexanders Thron zu sichern und riet diesem, lieber alle möglichen Konkurrenten umzubringen, bevor sie ihm gefährlich werden konnten. Alexander gehorchte.

Leider starb der geniale Alexander schon im Alter von 33 Jahren und alle Versuche Olympias ihren kleinen Enkel zum Bewahrer von Alexanders Weltreich zu machen, scheiterten. Olympias (59) verblutete unter Steinwürfen und Knüppelschlägen der Hinterbliebenen ihrer Opfer.

Derartig blutige Ränkespiele waren nichts für „Jenny“, spätere Lady Randolph Churchill und Mutter von Winston Churchill. Sie mischte lieber Bourbon, trockenen Vermouth mit einem Schuss Angostura-Bitter und erfand so den Manhattan-Cocktail – im selben Monat übrigens, in dem sie dem späteren Premierminister das Leben schenkte.

Jenny Jerome war eine hübsche, lustige, aber auch ziemlich wilde Hummel. Wie es hieß, floss sogar Irokesenblut in ihren Adern, ein Verdacht, den Jenny durch eine tätowierte Schlange schürte, die sie an ihrem linken Handgelenk trug.

Für den kleinen Winston war Lady Churchill nicht unbedingt der Inbegriff der liebevollen und umsorgenden Mutter, dafür war sie vielleicht zu jung, so dass sich der hoffnungsvolle Churchill-Spross eher an seine Haushälterin Mrs. Everest hielt. Erst viele Jahre später besserte sich das Verhältnis von Mutter und Sohn und Jenny half dem jungen Winston Churchill so gut weiter wie sie konnte. Wie es heißt, waren die beiden allerdings eher wie Bruder und Schwester als wie Mutter und Sohn.

Ihrem Sohn helfen, das tat auch Marie Clémentine Valadon, allerdings erst, nachdem sie ihn während seiner gesamten Jugend bei der Großmutter gelassen hatte. Als der später weltberühmte Maurice Utrillo 17 Jahre alt wurde, war er jedenfalls bereits alkoholkrank. Aber als er zu malen begann, da sorgte Marie Valadon, die ihr Freund Henri Toulouse-Lautrec nur „Suzanne“ nannte, allerdings für wertvolle „Connections“. Sie war eng befreundet mit dem ansonsten sehr menschenscheuen Edgar Degas, liebte den Komponisten Eric Satie, und als „Suzanne Valadon“ auch eine der besten Malerinnen des 20. Jahrhunderts.

Zu eigenem künstlerischen Ruhm reichte es bei Dolly Sinatra nicht, obwohl sie recht gut sang, aber dafür war sie umso erfolgreicher in der Förderung ihres Sohnes. Dass man „Frankie-Boy“ am 8.9. 1935 erstmals als Teil der „Hoboken Four“ im Radio hören konnte, war das Werk seiner Mutter, die außerdem in der Seele des seinerzeit 19jährigen unauslöschliche Spuren hinterließ, wie beispielsweise die tiefenpsychologisch ebenso eindeutige wie interessante Tatsache, dass er sein Leben lang unter dem Zwang lebte, sich ständig die Hände waschen zu müssen.

Dollys Lieblingsspruch war „du elendes Miststück“ und ihre erste strategische Maßnahme war, den gesellschaftlichen Makel italienischer Herkunft mit Hilfe eines irischen Taufpaten zu mildern. Und deshalb hieß der später weltberühmte Sänger nicht Mario oder Franco sondern Francis Albert.

Dann startete sie eine politische Karriere, um sich eine Machtposition zu schaffen, die Frank helfen sollte. Sie scheffelte Geld, wo sie konnte, verdiente vor allem sehr gut mit illegalen Abtreibungen. Sie träumte davon, dass Frankie Arzt werden würde oder Ingenieur, aber dafür war er zu faul und spielte lieber Billard, als in die Schule zu gehen.

Und da sich abzeichnete, dass Frankie singen wollte und nicht im Hafen malochen, besorgte sie ihm Jobs, setzte alle ihre Kontakte ein und da in Hoboken niemand Dolly Sinatra etwa abzuschlagen wagte, gelang es ihr auch. Und als sie dann noch die Presse unter Druck setzte, über ihren Filius zu schreiben, war die Kariere gesichert.

Dolly Sinatra war unendlich stolz auf ihren weltberühmten Sohn und dieser tat Zeit seines Lebens alles, um sie nicht zu verärgern. Schließlich kostete es Dolly das Leben, dass ihr Sohn ein so großer Star war, denn die 82jährige war im Januar 1977 auf einem Flug zu einem Auftritt von „The Voice“ in Las Vegas, als die Privatmaschine in den schneebedeckten Bergen von San Bernadino abstürzte.

Natürlich könnte man noch tagelang schreiben über die Mütter berühmter Söhne, über Agrippina, die Mutter Neros oder die Heilige Monika, die Mutter des Heiligen Augustinus, über die Mutter Johannes Keplers, die als Hexe angeklagt wurde, über Rose Kennedy oder Hannah Chaplin. Das aber sind alles andere, wenn auch ähnliche Geschichten ...

Keine Kommentare: