Die Königin von Afrika

12. Mai

Als am 20. Februar 1952 der Film „African Queen“ in die Kinos kam, da war die Hauptdarstellerin Katherine Hepburn bereits 43 Jahre alt. Geboren am 12. Mai 1907 starb sie erst am 29. Juni 2003, was bedeutet, dass „die Hepburn“ alle anderen überlebte: Humphrey Bogart starb bereits knapp fünf Jahre nach der Uraufführung, Regisseur John Huston 1987.

Möglicherweise war sein Tod der Auslöser dafür, das Katherine Hepburn sich in jenem Jahr noch einmal genau an die „African Queen“ erinnern wollte. Sie schrieb ein Buch mit dem Titel „African Queen oder wie ich mit Bogart, Bacall und Huston nach Afrika fuhr und beinahe den Verstand verlor“. Es wurde ein höchst persönliches Werk, in dem die als außerordentlich schwierig, spröde und zickig geltende Schauspielerin nach allen Regeln der Kunst die Sau rauslässt.

Über Bogarts Ehefrau Lauren Bacall, die stets an seiner Seite zu finden war und die sie nur Betty nennt, schreibt sie beispielsweise: „Erstens mal ist sie jung und hat wunderbare hellbraune Haut und das unglaublichste aschblonde Haar. Wunderschön. Ob glatt oder gelockt. Man hat übrigens nichts von ihr gesehen, wenn man sie nicht frühmorgens in ihrem hellgrünen Morgenmantel auf dem Weg zum Plumpsklosett gesehen hat, mit aufgestecktem Haar und ohne Lippenstift und sonst was.“

Mit John Huston verband sie jene Hassliebe, wie sie zwischen Schauspielerinnen und Regisseuren nicht selten sind. Auf der einen Seite kritisiert sie seine „einstudierten Südstaaten-Colonel-Charme“, findet es schrecklich, dass er stets alle Aufmerksamkeit auf sich ziehe, so als wäre er ein kleines Kind, hält ihn für arbeitsscheu und vergnügungssüchtig, für einen Mann, den eigentlich nur eines interessiert: die Jagd. Auf der anderen Seite bewunderte sie ihn für seine mehr oder weniger präzisen Regieanweisungen: „Sie setzen einfach ein Lächeln auf. In jeder Lage. Wie Mrs. Roosevelt - sie glaubte sie sei hässlich - sie dachte, sie sähe besser aus, wenn sie lächelte - also beschloss sie...Kopf hoch. Das beste kommt noch - vorwärts, immer vorwärts...Das Society-Lächeln“. Das war, so Katherine Hepburn, „verdammt noch mal die beste Regieanweisung, die ich jemals gehört habe.“

Auch über Bogart, der für seine Rolle als Kapitän Charlie Allnut übrigens den einzigen Oscar seiner Karriere erhielt, findet sie nette Worte: „Bogie war lustig. Ein großherziger Schauspieler, dem die Schauspielerei Spaß machte. Wusste, dass er gut war. Kannte immer seinen Text. War immer pünktlich. Hasste sein Haarteil. Wenn er es trug, war er morgens brummig - ungeduldig. Dann vergaß er es, und alles ging glatt. Nach Feierabend war er völlig erschöpft. Bevor er sich nicht einen oder zwei Drinks genehmigt hatte, war er brummig.“

Natürlich betrachtete die Hepburn den Alkoholkonsum von Bogie und Huston mit äußerstem Missfallen, sie die nur Mineralwasser trank. Und so war sie besonders sauer, als sie mit gefährlichen Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatte, es den beiden Männern aber blendend ging. Als sich herausstellte, dass ausgerechnet das Wasser verunreinigt war, kannte ihr Ärger keine Grenzen: „Ich, die Königin des Wassertrinkens - die Urologentochter - war am schlimmsten dran. Und jene beiden haltlosen Schwächlinge hatten ihren Magen-Darm-Trakt so sehr mit Alkohol gefüllt, dass kein Bazillus dort überleben konnte.“

Die Dreharbeiten von „African Queen“, das war für Katherine Hepburn ein ständiges Wechselbad aus Faszination und Horrorerlebnissen. Die ständige Feuchtigkeit, der glitschige Fußboden in ihrer Hütte, das Plumpsklo, die Dusche, die nur tassenweise Wasser lieferte, „die Zirpfrösche kreischen wie am Spieß, dann und wann brüllt ein Affe.“

„Jede Einstellung war ein hysterischer Alptraum. Der Motor der Queen streikte. Oder eine der Schrauben geriet in die Schleppleine und wurde verbogen. Oder wir wurden von Hornissen angegriffen. Oder beim Drehen schwamm plötzlich ein herrenloser Einbaum ins Bild. Keine Stühle, keine Garderoben, heißes Ginger Ale und heißer Fruchtsaft und heißes Bier.“

Eines Tages stand sie mitten in einer Ameisenprozession, wurde fast von Elefanten zertrampelt oder von einer Schwarzen Mamba gebissen.Auf der anderen Seite aber war „African Queen“ für Katherine Hepburn ein unvergessliches Abenteuer und „ein Riesenspaß“. Man kann es nachvollziehen. Man muss sich nur den Film ansehen.

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